Skoliose

Ungleich hohe Schultern, ein stark herausstehendes Schulterblatt oder ein Buckel an den Rippen bzw. eine Wulst an der Lende sind die klassischen optischen Merkmale einer Skoliose. Skoliose hat nichts mit schlechter Haltung zu tun. Sie ist eine dreidimensionale Strukturveränderung der Wirbelsäule, die ohne die richtige Behandlung fortschreiten kann.

Grafische Darstellung einer gesunden Wirbelsäule im Vergleich zu einer Skoliose

Skoliose ist eine strukturelle Veränderung der Wirbelsäule.

Skoliose: Was ist das?

Eine Skoliose ist eine seitliche Krümmung der Wirbelsäule von mindestens 10 Grad, kombiniert mit einer Rotation der Wirbelkörper um die eigene Achse. Diese Torsion – also das Verdrehen der Wirbel – unterscheidet die echte Skoliose grundlegend von einer einfachen Fehlhaltung. Letztere lässt sich durch Aufrichtung korrigieren. Eine strukturelle Skoliose hingegen bleibt bestehen, auch wenn die betroffene Person sich bewusst gerade hält.

Einteilung nach Schweregrad 

Der Schweregrad einer Skoliose wird anhand des Röntgenbildes nach dem sogenannten Cobb-Winkel gemessen:

  • Leichte Skoliose: 10 bis 25 Grad
  • Moderate (mittelschwere) Skoliose: 25 bis 40 Grad
  • Schwere Skoliose: Über 40 Grad

Formen der Skoliose

Es gibt verschiedene Formen von Skoliose, die sich in der Ursache unterscheiden.

Idiopathische Skoliose: Wachstumsstörung in der Pubertät 

Die ideopathische Skoliose ist die häufigste Form. Sie ist die Ursache einer Wachstumsstörung der Wirbelsäule. Diese tritt häufig während den Wachstumsschüben in der Pubertät auf. Mädchen zwischen 10 und 16 Jahren sind viermal häufiger betroffen als Jungen. Ist das Wachstum beendet, bleibt der Schweregrad der Skoliose in der Regel erhalten. Auch eine genetische Veranlagung kann bei dieser Krankheit eine Rolle spielen. Aber sehr wahrscheinlich hängt die Skoliose mit dem Wachstum zusammen.

Die Behandlungsoptionen reichen von regelmäßiger Beobachtung und Physiotherapie bis hin zu Korsett oder Operation. Welche Behandlung die Richtige ist, hängt vom Grad der Verkrümmung und dem erwarteten Wachstum ab. Die Behandlungsmöglichkeiten sind auch von der Art der Skoliose abhängig.

Bei einer idiopathischen Skoliose ist die Schwere der Verkrümmung entscheidend. Liegt eine eher leichte Verkrümmung vor, reicht eine Physiotherapie aus. Eine mittelstarke Verkrümmung wird in der Regel mit Hilfe eines Korsetts behandelt. Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Korsetts, die individuell an das Krankheitsbild und den Patienten angepasst werden. Bei einer starken Verkrümmung kann eine Operation notwendig werden. Ob und wie genau operiert wird, muss im Einzelfall entschieden werden.

Mädchen macht Wachstumsschub in der Pubertät. Währenddessen tritt oft die ideopathische Skoliose auf.

Mädchen macht Wachstumsschub in der Pubertät. Währenddessen tritt oft die ideopathische Skoliose auf.

Kongenitale Skoliose: Skoliose bei Kindern

Eine weitere Art der Skoliose ist die kongenitale Skoliose. Hier liegt die Ursache der Krankheit in angeborenen Fehlbildungen der Knochen. Diese Art der Skoliose fällt häufig schon im Kleinkindalter auf.

Bei der kongenitalen Skoliose helfen weder Korsetts noch Krankengymnastik. In der Regel wird sehr früh operiert und die Fehlbildung behoben, häufig im Alter von zwei bis fünf Jahren. Die Operation wird so früh durchgeführt, damit sich die angrenzenden Wirbelkörper nicht verformen. Dabei wird zum Beispiel ein Halswirbel entfernt oder der fehlgebildete Bereich versteift.

Degenerative Skoliose: Verkrümmung durch Verschleiß

Eine degenerative Skoliose tritt meist ab dem 50. Lebensjahr durch altersbedingten Verschleiß (Arthrose) auf. Bei den meisten Erwachsenen ist die degenerative Skoliose nur leicht ausgeprägt und bleibt unbemerkt. Sie betrifft vor allem die Lendenwirbelsäule. Ursachen sind Abnutzungen an Bandscheiben, Wirbelgelenken und Bändern, die zu einer Instabilität der Wirbelsäule und damit zu einer asymmetrischen Haltung führen. Altersbedingter Abbau der Rumpf- und Rückenmuskulatur sowie eine Osteoporose begünstigen eine degenerative Skoliose zusätzlich.

Die Behandlung richtet sich nach der Ausprägung des Verschleißes. Sie besteht in der Regel aus gezieltem Muskelaufbau. Drücken Teile der Wirbel auf die Spinalnerven oder den Wirbelkanal, kann es zu Beschwerden wie bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose kommen. Hier können Schmerzmittel oder eine interventionelle Schmerztherapie helfen. Eine Operation wird erwogen, wenn die Verformung der Wirbelsäule stark ausgeprägt ist, die Schmerzen trotz Behandlung unerträglich sind oder Lähmungen und schwere Nervenausfälle auftreten.

Neuromuskuläre Skoliose 

Außerdem gibt es noch die neuromuskuläre Skoliose. Bei dieser Art liegt der Ursprung der Skoliose in einer Erkrankung des Muskels oder des Nervensystems. Das sind zum Beispiel Krankheiten wie Querschnittslähmung, Spastik oder Muskelschwäche.

Die neuromuskuläre Skoliose kommt eher selten vor. Die Patienten, die an dieser Art der Skoliose leiden, haben eine schwere Erkrankung des Nervensystems oder der Muskulatur. Dadurch entsteht eine Verkrümmung der Wirbelsäule. Die Skoliose ist in diesem Fall also die Begleiterkrankung. Da sie meistens nicht das Hauptproblem ist, wird die Skoliose im Zusammenhang mit der Grunderkrankung behandelt. In vielen Fällen geht es darum, die Lungenfunktion zu verbessern oder die Sitzfähigkeit in einem Rollstuhl zu gewährleisten. Korsette können dabei helfen für ein aufrechtes Sitzen im Rollstuhl zu sorgen. Auswirkungen auf die Skoliose haben die Korsetts in diesem Fall aber nicht. Da bei diesen Grundkrankheiten bekannt ist, dass sie zu einer Skoliose führen können, wird diese schon früh korrigiert. Mit einer Operation sollte nicht zu lange gewartet werden.

Skoliose-Symptome erkennen

Skoliose-Symptome zeigen sich oft schleichend. Typisch sind:

  • Schulterschiefstand: Eine Schulter liegt spürbar höher als die andere, besonders beim aufrechten Stehen.
  • Asymmetrische Taillendreiecke: Der Abstand zwischen Arm und Rumpf ist auf beiden Seiten unterschiedlich groß.
  • Rippenbuckel: Beim Vorbeugen wölbt sich eine Rippenseite deutlich stärker nach oben.
  • Schmerzen im Verlauf der Erkrankung: Viele Betroffene bemerken erst in fortgeschrittenen Stadien Beschwerden, weil der Körper Fehlstellungen lange kompensiert. Die Schmerzen treten häufig nicht im Bereich der Verkrümmung auf, sondern im Bereich der Lendenwirbelsäule. In diesem Bereich werden die Bandscheiben schräg belastet, was zu Verschleiß und Arthrose führen kann.

Wie wird eine Skoliose diagnostiziert?

Zur Diagnose einer Skoliose wird zunächst eine Anamnese durchgeführt. Hierbei erfragt der Arzt die Krankengeschichte und Beschwerden des Patienten.

Körperliche Untersuchung 

Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung mit einigen Tests. Einer davon ist der Vorbeugetest (Adam-Test). Dabei beugt sich der Betroffene mit hängenden Armen langsam nach vorn, während der Arzt den Rücken von hinten auf Seiten­Asymmetrien beurteilt. Ergibt sich ein sichtbarer Höhenunterschied, weist dies auf eine Skoliose hin. Auch weitere Asymmetrien kann der Arzt im Rahmen der körperlichen Untersuchung gut erkennen. Zudem werden Beweglichkeit, Kraft, Dehnbarkeit und Reflexe des Patienten getestet. Auch diese Aspekte können infolge einer Skoliose eingeschränkt sein.

Ärztin führt einen Adam-Test zur Skoliose-Diagnose durch

Der Adam-Test gibt einen Hinweis auf eine Skoliose.

Röntgen

Meist stellt der Arzt allein anhand der körperlichen Untersuchung bereits eine Skoliose fest. Eine Röntgenuntersuchung bestätigt dann die Diagnose. Dabei bildet man die ganze Wirbelsäule im Stehen ab, einmal von hinten, einmal von der Seite.

Anhand der Röntgenbilder bestimmt der Arzt den Cobb-Winkel und identifiziert das Krümmungsmuster. Dieses Vorgehen ist entscheidend für die spätere Skoliose-Therapie. Zudem können Fehlbildungen oder Verformungen der Knochen erkannt werden.

Röntgen-Bild einer Wirbelsäule mit Skoliose

Röntgen-Bild einer Wirbelsäule mit Skoliose

Bestimmung der Skelett-Reife

Um den Verlauf einer Skoliose bei Jugendlichen einzuschätzen, ist es entscheidend, das Wachstum der Wirbelsäule zu beurteilen. Hierfür wird die Skelett-Reife anhand von Röntgenbildern und der Verknöcherung der Beckenkamm-Fortsätze (Apophysen) ermittelt. Diese Apophysen verknöchern mit zunehmendem Alter. Sind sie vollständig verknöchert und geschlossen, ist das Skelett-Wachstum abgeschlossen. Zusätzlich kann das Knochenalter durch ein Röntgenbild des Handgelenks bestimmt werden. Obwohl das Lebensalter oft mit der Skelett-Reife übereinstimmt, kann es Abweichungen geben. Für die Skoliose-Prognose ist das Knochenalter zuverlässiger als das Lebensalter.

Weitere Untersuchungen 

In Ausnahmefällen erstellt der Arzt Schnittbilder mittels eines Magnetresonanztomographen (MRT), insbesondere wenn Fehlbildungen des Rückenmarks oder Veränderungen im Rückenmarkskanal (z. B. Tumore) vermutet werden. Bei schweren Skoliosen können Herz- und Lungenfunktionen durch die Verkrümmungen und Verdrehungen des gesamten Brustbereichs beeinträchtigt sein. In solchen Fällen veranlasst der Arzt weitere Untersuchungen, wie zum Beispiel Ultraschalluntersuchungen des Herzens und einen Lungenfunktionstest.

Behandlung der Skoliose

Bei einer leichten Skoliose reicht häufig Physiotherapie aus, während stärkere Ausprägungen mit einem Skoliose-Korsett behandelt werden. Bei sehr starker Krümmung kann oft eine Operation erforderlich sein. Die Therapie sollte so schnell wie möglich nach der Diagnose beginnen. Das Ausmaß, die Ursache und die Lage der Wirbelsäulenkrümmung sowie Alter und körperliche Verfassung der Betroffenen bestimmen die Wahl der Therapie.

Skoliose-Korsett 

Ein Korsett kommt bei Kindern mit stärkeren Wirbelsäulen-Verkrümmungen zum Einsatz. Oft erzielt man damit sehr gute Ergebnisse bei Skoliosen, die nicht auf schweren Grunderkrankungen wie Muskel- oder Nerven-Krankheiten beruhen.

Das Korsett, auch Orthese genannt, besteht aus Kunststoff und hat sowohl eingearbeitete Druck-Polster als auch Freiräume. Es wird maßgefertigt und mittels Gurten und Klett-Verschlüssen am Körper befestigt. Das Tragen des Korsetts soll die Wirbelsäule in ihre natürliche Form zurückzuführen. Die Orthese trägt der Patient dabei in der Regel 22 bis 23 Stunden täglich. Je nach Höhe der Hauptkrümmungen stehen dabei verschiedene Skoliose-Korsetts zur Verfügung.

Regelmäßige Gymnastik-Übungen können eine erfolgreiche Skoliose-Therapie mit einem Korsett zusätzlich unterstützen.

Bei einer frühen Wirbelsäulenverkrümmung bei Kindern unter fünf Jahren kann auch eine Skoliose-Therapie mit einem Gipskorsett in Betracht gezogen werden. Dabei wächst die Wirbelsäule normal weiter. Auf die Gipsbehandlung folgt in der Regel die Therapie mit einem Skoliose-Korsett.

Zur Behandlung einer Skoliose bei Erwachsenen ist ein Korsett nicht geeignet, da bei ihnen das Knochenwachstum bereits abgeschlossen ist. Dennoch werden Orthesen auch im höheren Lebensalter eingesetzt, um Stabilität zu gewährleisten und den Krankheitsverlauf zu mildern.

Kind mit Skoliose-Korsett

Ein Skoliose-Korsett kann bei Kindern mit stärkerer Skoliose helfen.

Skoliose: Wann ist eine Operation sinnvoll?

Eine Skoliose-Operation wird in der Regel bei Krümmungswinkeln ab 40 bis 50 Grad notwendig, insbesondere wenn die Wirbelsäule weiter verkrümmt oder Schmerzen verursacht. Der Eingriff erfolgt meist unter Vollnarkose und dauert mehrere Stunden.

Die chirurgische Skoliose-Therapie zielt darauf ab, eine Versteifung durch Spondylose zu verhindern. Bei Spondylose bildet der Körper Knochenmasse an den Rändern der Wirbelkörper, um erhöhte Belastungen auszugleichen. Diese Knochenzacken verwachsen jedoch häufig, wodurch eine Knochenbrücke entsteht, die die Wirbelsäule versteift. Die Operation soll auch mögliche Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-System und Lungenfunktion vermeiden. 

Während des Eingriffs legt der Chirurg den betroffenen Wirbelsäulenabschnitt frei. Der Zugang erfolgt entweder frontal über Brust- oder Bauchhöhle oder über den Rücken. Ziel aller operativen Skoliose-Therapien ist es, die gekrümmte Wirbelsäule zu strecken und ihre Rotation zu korrigieren. Zudem stabilisiert der Arzt die Wirbelsäule, beispielsweise mit Schrauben und Stäben.

Bei noch wachsenden Kindern kommen oft bewegliche Systeme (z. B. spezielle Bänder oder mitwachsende Stäbe) zum Einsatz, die das Wachstum korrigieren, ohne sofort zu versteifen.

 

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