Die Wirbelsäule: Aufbau und essenzielle Funktion der Bandscheiben
Die S-förmige Wirbelsäule besteht aus insgesamt 24 Wirbeln. Sie ist in die drei Abschnitte Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule unterteilt. Die einzelnen Wirbel sind durch Bandscheiben voneinander getrennt. Diese Bandscheiben sind donutförmige Strukturen, deren äußerer Teil, der Faserring, aus zähem Bindegewebe besteht, während der innere Kern gallertartig ist. Die Hauptaufgabe der Bandscheiben ist es, als Stoßdämpfer zu fungieren, Bewegungen zu ermöglichen und die Wirbel voreinander zu stabilisieren. Sie verteilen Kräfte, die auf die Wirbelsäule einwirken, und schützen so das Rückenmark und die darin verlaufenden Nerven. Ein gesunder Zustand dieser Strukturen ist fundamental für schmerzfreie Bewegungen und eine aufrechte Haltung.
Wie ein Bandscheibenvorfall entsteht: Von Abnutzung bis zum akuten Ereignis
Ein Bandscheibenvorfall, auch Prolaps genannt, tritt auf, wenn der schützende Faserring der Bandscheibe reißt und der gallertartige Kern nach außen tritt. Dies kann schleichend durch altersbedingte Abnutzung und degenerative Veränderungen geschehen, bei denen die Bandscheiben an Elastizität verlieren und anfälliger werden. Aber auch akute Belastungen, falsche Hebebewegungen oder plötzliche Drehungen der Wirbelsäule können einen Riss im Faserring provozieren, insbesondere wenn die Bandscheibe bereits vorgeschädigt ist. In 90 % der Fälle tritt ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule auf.
Warum ein Bandscheibenvorfall Schmerzen verursacht: Nervenbeteiligung und entzündliche Reaktionen
Die entscheidende Ursache für die typischen, oft starken Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall ist die Reizung von Nerven. Tritt der Bandscheibenkern aus, kann er auf eine nahegelegene Nervenwurzel oder sogar auf das Rückenmark im Wirbelkanal drücken. Diese mechanische Einwirkung auf die Nerven führt zu einer Signalübertragung von Schmerz. Hinzu kommt eine lokale Entzündungsreaktion, die durch den Austritt des Bandscheibenmaterials ausgelöst wird und die Nerven zusätzlich reizt, was die Schmerzen weiter verstärkt.
Bandscheibenvorfall – Symptome
Die Symptome eines Bandscheibenvorfalls sind vielfältig und hängen stark davon ab, welche Bandscheibe betroffen ist und welche Nerven komprimiert werden.
Typische Anzeichen:
- stechende oder ziehende Rückenschmerzen (Kreuzschmerzen), die in Arme oder Beine ausstrahlen
- Gefühlsstörungen wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder ein Brennen entlang des betroffenen Nervs
In schwereren Fällen:
- Lähmungserscheinungen
- Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule
Abgrenzung zu ähnlichen Beschwerden: Bandscheibenvorfall vs. Hexenschuss
Ein Hexenschuss, medizinisch als akute Lumbalgie bezeichnet, ist ein plötzlicher, starker Schmerz im unteren Rücken, der meist durch eine Muskelverspannung oder eine Blockade der kleinen Wirbelgelenke verursacht wird. Ein Bandscheibenvorfall hingegen kann zwar ebenfalls zu starken Rückenschmerzen führen, strahlt aber oft auch in die Beine aus. Ein Hexenschuss ist in der Regel auf den Rücken begrenzt. Bei einem Bandscheibenvorfall sind oft spezifische neurologische Symptome wie Taubheit, Kribbeln oder Lähmungen ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, das eine genauere Abklärung durch einen Experten erfordert.
Bandscheibenvorfall – Diagnose
Um einen Bandscheibenvorfall zu diagnostizieren, führt der Arzt zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten (Anamnese), bei dem er die Symptome und Einschränkungen abfragt. Auch körperliche Tests bzgl. des Schmerzempfindens führt der Arzt durch. Dazu gehört zum Beispiel die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Durch dieses Verfahren lässt sich feststellen, ob ein Bandscheibenvorfall lediglich einen Nerv reizt oder bereits einen bleibenden Nervenschaden (Lähmung) verursacht hat.
Eine sichere Diagnose ist durch bildgebende, radiologische Verfahren möglich. Ein Röntgenbild der Wirbelsäule zeigt zum Beispiel, ob die Bandscheiben dünner geworden sind, also ob die Wirbelkörper näher beieinanderliegen oder sich verschoben haben. Weitere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) helfen, die genaue Lokalisation und Ausdehnung des Vorfalls zu bestimmen und die betroffenen Nervenstrukturen exakt zu identifizieren. Ergänzend können neurologische Untersuchungen zur Diagnose eines Bandscheibenvorfalls eingesetzt werden. Nur durch ein klares Verständnis der individuellen Situation kann ein passgenauer Therapieplan entwickelt werden, der auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist.
Konservative Behandlung: Den Rücken stärken
Bei vielen Patienten kann ein Bandscheibenvorfall erfolgreich und nachhaltig mit konservativen, also nicht-operativen Methoden behandelt werden. Die Physiotherapie spielt hierbei eine zentrale Rolle. Gezieltes Krafttraining stärkt die Rumpfmuskulatur, verbessert die Haltung und entlastet die Wirbelsäule.
Schmerztherapie bei Bandscheibenvorfällen
Zur Schmerzlinderung eines Bandscheibenvorfalls kann zunächst eine Wärmetherapie beitragen. Sie regt die Durchblutung in der Haut an und lockert die versteifte Rückenmuskulatur. Zusätzlich verschreibt der Arzt in der Regel Medikamente, die schmerz- und entzündungshemmend wirken. Das verhindert, dass der Patient aufgrund von Schmerzen eine Schonhaltung einnimmt, seine Rückenmuskulatur zusätzlich verspannt und sich die Beschwerden verschlimmern.
Auch eine multikonzeptionelle Schmerztherapie ist möglich. Es handelt sich meist um einen kürzeren stationären Aufenthalt, bei dem verschiedene schmerztherapeutische Verfahren zum Einsatz kommen. z. B.
- Physiotherapie
- Physikalische Therapie
- medikamentöse Schmerztherapie
- interventionelle Schmerztherapie: Hier wird im OP unter Überwachung der Herz-Kreislauf-Funktion und mit Röntgenkontrolle ein Medikament direkt in den betroffenen Wirbelabschnitt injiziert.
Operation beim Bandscheibenvorfall
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder die Symptome besonders schwerwiegend sind (z. B. Lähmungen), kann ein chirurgischer Eingriff nötig sein. Wenn möglich, kommen hierbei minimal-invasive Verfahren zum Einsatz. Diese schonen den Körper und ermöglichen eine schnellere Genesung im Vergleich zu herkömmlichen offenen Operationen.
Stabilisierende und rekonstruierende Operationen
In einigen speziellen Fällen können bei einem Bandscheibenvorfall Implantate zur Stabilisierung oder Rekonstruktion erforderlich sein. Die Operationen können groß sein, die Wirbelsäule muss teilweise mit verschiedenen Zugängen, auch zu unterschiedlichen Zeiten, operiert werden. Auch bei der Implantation von künstlichen Bandscheiben wird versucht, minimalinvasive und gewebeschonende Techniken, ggf. computernavigiert, einzusetzen und weiterzuentwickeln.
Schwerpunkt: Vollendoskopische Operationen
Bei vollendoskopischen Verfahren wird ein dünnes Endoskop mit einer Kamera, einer Lichtquelle und verschiedenen Instrumenten über winzige Einschnitte in den Rücken des Patienten eingeführt. Der Operateur hat auf einem hochauflösenden, großen OP-Bildschirm eine gute Sicht und kann mit den dünnen Instrumenten auch in die Tiefen der Wirbelsäule vordringen. Entweder wird so die gesamte Bandscheibe entfernt (Diskektomie) oder gegebenenfalls nur Teile des Gallertkerns (Nukleotomie). Durch die kleinen Schnitte haben Patienten im Gegensatz zu einer offenen Operation weniger Schmerzen und eine kürzere Genesungszeit.
Das Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie und Schmerztherapie ist Wirbelsäulenzentrum der Maximalversorgung. Vollendoskopische Operationen im Bereich der Wirbelsäule bilden einen Schwerpunkt. Hier wurden operative Zugänge und Instrumentarien für vollendoskopische Wirbelsäulenoperationen entwickelt, die heute weltweit eingesetzt werden. Das Zentrum führt vollendoskopische Operationen routinemäßig durch und ist international führend. Kontinuierlich finden weitere Entwicklungen statt.
Weitere Informationen zu den vollendoskopischen Verfahren gibt es hier