Besonderer Fokus: interventionelle Schmerztherapie
Im Mittelpunkt der Schmerztherapie steht die Behandlung chronischer Schmerzen. Im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe werden sämtliche Schmerzerkrankungen der Wirbelsäule behandelt. Es stehen alle konservativen, interventionellen und ggf. operativen Maßnahmen für akute und chronische Schmerzerkrankungen aller Fachgebiete zur Verfügung. Darüber hinaus wird auch das gesamte Spektrum fachbezogener Schmerzerkrankungen und spezieller Schmerzerkrankungen außerhalb der Orthopädie und Unfallchirurgie interdisziplinär und multimodal behandelt.
Akute und chronische Schmerzen
Schmerzen sind für Patienten der häufigste Grund, einen Hausarzt aufzusuchen. Akute Schmerzen sind ein Alarmsignal. Sie weisen auf eine körperliche Störung oder Schädigung hin, beispielsweise bei Zahnschmerzen oder einer Blinddarmentzündung. Akute Schmerzen erfüllen eine lebenserhaltende Funktion und sollten als sinnvolle Reaktion des Körpers betrachtet werden.
Chronischer Schmerz hingegen kann sich verselbstständigen: Er überdauert den ursprünglichen Auslöser, verändert das Nervensystem und greift tief in Alltag, Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität ein. Wenn die Beschwerden lange anhalten und die Schmerzen den Alltag der Betroffenen erheblich prägen, kann sich eine eigenständige Schmerzerkrankung entwickeln. Etwa jeder zehnte Mensch leidet unter chronischen Schmerzen. Zu den häufigsten Schmerzerkrankungen gehören Wirbelsäulenbeschwerden. Dennoch bestehen viele chronische Schmerzsyndrome auch aufgrund von Erkrankungen außerhalb der Orthopädie und Unfallchirurgie.
Ursachen für Schmerzen
Schmerzen entstehen unter anderem durch eine Fehlfunktion des Nervensystems, eine gestörte Schmerzverarbeitung oder chronische Entzündungen. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Häufige Ursachen sind:
- Chronische Erkrankungen wie Verschleiß (Arthrose) oder Rheuma
- Rückenprobleme
- Migräne
- Schmerz durch Reizung von Schmerzrezeptoren infolge von Verletzungen oder Verbrennungen
- Nervenschäden z. B infolge von Diabetes oder Gürtelrose
- veränderte Schmerzverarbeitung im Gehirn oder Rückenmark durch anhaltenden körperlichen oder psychischen Stress
- Bewegungsmangel
Schmerzen lindern: interventionelle Schmerztherapie
Als interventionell bezeichnet man Diagnose- oder Therapieverfahren, die gezielte Eingriffe am erkrankten Gewebe vornehmen. Die interventionelle Schmerztherapie ist eine Zwischenstufe zwischen konservativen und operativen Behandlungen. Sie ist eine Alternative für Patienten, die nach konservativen Methoden keine ausreichende oder dauerhafte Besserung erfahren haben und für eine Operation nicht geeignet sind. Sie richtet sich auch an Patienten, die bereits operiert wurden, aber weiterhin oder erneut unter starken Beschwerden leiden.
Die interventionelle Schmerztherapie erfolgt durch sogenannte Injektionen. Dabei wird ein Schmerzmittel und z. B. Kortison direkt an gereizte Nervenwurzeln oder Wirbelgelenke gespritzt.
Oft wird die interventionelle Schmerztherapie synonym mit der periradikulären Therapie (PRT) genannt. Letztere ist jedoch nur eine Unterkategorie der interventionellen Schmerztherapie. Dabei wird ambulant ein Schmerzmittel mit Kortison direkt in den Nerv gespritzt. Oft sind mehrere Anwendungen nötig. Die interventionelle Therapie hingegen umfasst alle gezielten, minimalinvasiven Injektions- und Eingriffstechniken an Nerven oder Gelenken.
Wie ist der Ablauf bei der interventionellen Schmerztherapie?
Die interventionelle Schmerztherapie folgt in der Regel folgenden Schritten:
- Vorgespräch und Untersuchung: Der Arzt fragt nach der Schmerzgeschichte und früheren Befunden des Patienten. Er prüft die vorhandenen Befunde (z. B. Röntgenbilder oder MRT-Bilder) und untersucht die schmerzende Stelle.
- Planung des Eingriffs: Der Arzt wählt gemeinsam mit dem Patienten die für diesen passende Methode (z. B. eine gezielte Spritze an einer Nervenwurzel) und bespricht mit ihm den Ablauf.
- Durchführung unter Bildkontrolle: Der Patient wird mit einem Medikament beruhigt. Die Haut des Patienten wird sterilisiert und oft örtlich betäubt. Bei einer Infiltration schiebt der Arzt eine sehr dünne Nadel millimetergenau an die schmerzhafte Stelle. Ein Röntgengerät hilft dabei, die richtige Position live zu sehen. Dann wird ein Schmerzmittel oder entzündungshemmendes Medikament direkt dorthin gespritzt. Meist erfolgt dies in einem OP-Saal. Im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie stehen dafür spezielle moderne Räumlichkeiten zur Verfügung.
- Nach dem Eingriff: Nach dem kurzen Eingriff ruht der Patient sich kurz aus. Der Erfolg der Behandlung wird durch den Arzt überprüft. Im Anschluss erfolgt die Weiterbehandlung durch die Physiotherapie, um umliegendes Muskelgewebe zu stärken und so dauerhaft schmerzfrei zu bleiben.
Denervation / Denervierung der Wirbelsäule
Eine Denervierung bzw. Denervation (Verödung) der Wirbelsäule ist ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem die kleinen Nervenfasern, die Schmerzsignale von den Wirbelgelenken zum Gehirn leiten, gezielt verödet oder blockiert werden. Sie wird oft bei Schmerzen durch Verschleiß der Bandscheiben, Verschleiß an den Facettengelenken an der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule oder am Iliosakralgelenk angewendet.
Meist erfolgt die Denervierung durch eine Hitzetherapie. Unter Röntgen-Kontrolle wird eine zwei Millimeter dünne Kanüle vorsichtig an den betroffenen Nerv herangeschoben. Dann erzeugt der Operateur mittels hochfrequentem Strom oder Laser eine lokale Hitze von etwa 80 Grad. Dadurch werden die schmerzenden Nerven verödet. Durch diese Verödung sind die Nervenfasern nicht mehr in der Lage, den Schmerz weiterzuleiten. Die zugrundeliegende Abnutzung wird nicht geheilt, aber die Schmerzweiterleitung wird unterbrochen. Bei einem Bandscheibenvorfall wird mit Hitze gezielt kleineres Gewebe verdampft.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit: multimodale Schmerztherapie
Schmerzmittel allein lösen bei chronischen Schmerzen nicht das Problem. Wirksames Schmerzmanagement nimmt biologische, psychologische und soziale Faktoren gemeinsam in den Blick. Genau das macht die multimodale Schmerztherapie, die auch als biopsychosoziales Modell bekannt ist. Die multimodale Schmerztherapie setzt sich aus verschiedenen Bausteinen der Schmerzbekämpfung zusammen. Dazu gehören beispielsweise Medikamente, Physiotherapie, Akupunktur, Psychotherapie und Verhaltenstherapie.
Zudem spielt bei der multimodalen Schmerztherapie das individuelle Schmerzempfinden eine große Rolle. Patienten nehmen z. B. Rückenschmerzen nach einem Bandscheibenvorfall oft sehr unterschiedlich intensiv und mehr oder weniger andauernd wahr. Individuelle Behandlungskonzepte zielen darauf ab, nicht mehr nur die Schmerzen zu lindern, sondern auch die durch den Schmerz eingeschränkten körperlichen, psychischen und sozialen Fähigkeiten wieder zu verbessern. Dabei arbeiten die Experten des Zentrum für Orthopädie gemeinsam mit Experten anderer Abteilungen eng zusammen.
Zudem steht beim multimodalen Konzept nicht nur die Schmerzlinderung im Fokus, sondern auch die Hilfe zur Selbsthilfe. Patienten sollen nicht nur ihre Fitness, körperliche Belastbarkeit und Körperwahrnehmung verbessern, sondern auch lernen, ihre persönlichen Grenzen besser zu kontrollieren. Psychotherapeutische Methoden helfen dabei, emotionale Beeinträchtigungen zu reduzieren und das eigene Verhalten so zu ändern, dass chronische Schmerzen in Zukunft vermeidbar werden.
Operative Schmerztherapie: Schmerzen im OP behandeln
Starke chronische Schmerzen lassen sich in besonderen Fällen auch operativ behandeln. Operativ stehen im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie folgende schmerzunterdrückende Maßnahmen zur Verfügung:
Rückenmarkstimulation / Spinal-Cord-Stimulation (SCS)
Bei der Rückenmarkstimulation werden Elektroden auf das Rückenmark implantiert. Dann leitet ein kleiner Generator milde Stromimpulse über feine Elektroden in den Epiduralraum des Rückenmarks. Diese Impulse unterbrechen oder verändern die Schmerzsignale, bevor sie das Gehirn erreichen. Dafür werden die Elektroden minimalinvasiv eingesetzt und mit einem tragbaren, externen Gerät verbunden. Patienten testen die Wirksamkeit im Alltag über mehrere Tage oder Wochen. Führt der Test zu einer signifikanten Schmerzlinderung, wird das Gerät dauerhaft unter der Haut implantiert. Das Gerät kann bequem per Fernbedienung gesteuert oder angepasst werden.