Was passiert bei einer Kniearthrose?
Durch Bewegung des Gelenks wird die Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit) gleichmäßig im gesamten Gelenkraum des Knies verteilt. Die Gelenkschmiere ist die wichtigste Ernährungsquelle für den Knorpel, da dieser keine Blutgefäße enthält. Nur eine gute Ernährungssituation des Knorpels sichert dessen ausreichende Elastizität und Widerstandsfähigkeit gegenüber Abrieb und damit Verschleiß.
Gonarthrose: verschiedene Formen
Die Form der Kniearthrose hängt direkt davon ab, wo im Gelenk die mechanische Last am stärksten wirkt – und das bestimmt die Beinachse.
Varusgonarthrose (O-Bein)
Bei einem nach innen geneigten Knie konzentriert sich der Druck auf den medialen, also inneren, Gelenkbereich. Die natürliche Belastungsachse des Beins verläuft bereits leicht nach innen, deshalb überrascht es kaum, dass die Varusgonarthrose die häufigste Form der Kniearthrose ist. Übergewicht oder eine ausgeprägte O-Bein-Stellung verstärken diesen Effekt erheblich.
Valgusgonarthrose (X-Bein)
Bei der Valgusgonarthrose verschiebt sich die Last auf den seitlichen, äußeren Kniebereich. Diese Form tritt seltener auf, entwickelt sich aber oft schleichender und wird deshalb gelegentlich später diagnostiziert.
Pangonarthrose
Wenn der Verschleiß nicht auf einen Bereich des Knies beschränkt bleibt, sondern das gesamte Gelenk einschließlich der Kniescheibe (Patella) betrifft, spricht man von einer Pangonarthrose. Sie markiert in der Regel ein fortgeschrittenes Stadium der Erkrankung und schränkt alltägliche Bewegungen deutlich stärker ein.
Ursachen und Risikofaktoren für eine Kniearthrose
Mögliche Ursachen für Verschleiß im Knie sind:
- fortgeschrittenes Alter
- Knieverletzungen (z. B. Meniskusriss, Kreuzbandriss, Patellaluxation, Knochenbrüche)
- Adipositas: Starkes Übergewicht führt zu einer stärkeren Belastung der Knie und kann Entzündungen im Kniegelenk verstärken.
- unterschiedlich lange Beine
- Fehlstellungen des Knies (X- und O-Beine)
- Bewegungsmangel: Zu wenig Bewegung hindert die Gelenkschmiere daran, den Knorpel optimal zu nähren
Primäre oder sekundäre Gonarthrose?
Nicht jede Kniearthrose entsteht auf dem gleichen Weg. Die primäre Gonarthrose entwickelt sich altersbedingt ohne eindeutige Einzelursache – der Knorpel verschleißt über Jahrzehnte. Die sekundäre Gonarthrose hingegen ist die direkte Folge eines identifizierbaren Auslösers: eines Traumas, einer Fehlstellung der Beinachse oder einer entzündlichen Gelenkerkrankung.
Gonarthrose (Kniearthrose): Symptome
Kniearthrose beginnt typischerweise mit Knieschmerzen, die zunächst nur bei Belastung auftreten. Im Verlauf werden die Schmerzen häufiger und intensiver. Sie können dann auch in Ruhe oder nachts auftreten und den Schlaf stören. Weitere Beschwerden wie steife Gelenke können hinzukommen. Einige Menschen haben vor allem morgens oder abends Schmerzen.
Je nach betroffener Kniepartie kann die Innen- oder Außenseite mehr schmerzen. Bei Schmerzen unter der Kniescheibe treten sie vor allem beim Aufstehen und Treppensteigen auf. Bei starker Arthrose treten die Schmerzen auch in Ruhe auf, fühlen sich dumpf an und können sehr stark sein, was zu Erschöpfung führt und den Alltag einschränkt. Das Kniegelenk kann druckempfindlich und steifer werden. Dies führt oft dazu, dass Betroffene sich weniger bewegen. Weniger Bewegung schwächt jedoch Muskeln und Bänder, wodurch das Knie instabil wirken kann.
Bei einigen Menschen tritt Arthrose in akuten Schüben auf. Dann nehmen die Schmerzen plötzlich zu und fühlen sich stechend, pulsierend oder brennend an. Das Knie kann anschwellen, steifer und warm werden. Ärzte sprechen dann von aktivierter Arthrose. Meist klingen die Beschwerden eines Schubs innerhalb weniger Tage ab. Schübe kommen oft überraschend und sind besonders belastend.
Wie wird eine Kniearthrose diagnostiziert?
Zunächst fragt der Arzt nach der Krankheitsgeschichte des Patienten und den vorhandenen Symptomen (Anamnese). Danach untersucht er den Bewegungsumfang des Kniegelenks, tastet das Knie und den Gelenkspalt ab und überprüft die Muskulatur. Ein Röntgenbild hilft dabei, Ort und Ausprägung des Kniegelenkverschleißes genauer zu beurteilen. Zur weiterführenden bildgebenden Untersuchung können auch Ultraschall und MRT zum Einsatz kommen: Ein Ultraschall hilft, Flüssigkeit im Gelenk oder Entzündungen zu erkennen. Ein MRT (Magnetresonanztomografie) liefert präzise Bilder von Knorpel, Menisken und Bändern, ist jedoch nicht in jedem Fall erforderlich.
Konservative Behandlung bei Gonarthrose
Zunächst sollte die konservative, also nicht-operative Therapie im Vordergrund stehen. Erst wenn diese keinen nachhaltigen Erfolg bringt oder die Arthrose im Knie bereits stark fortgeschritten ist, sollten operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Zu den konservativen Maßnahmen gehören auch die Vermeidung von Übergewicht und mehr Bewegung im Alltag. Gezielte Physiotherapie, entzündungshemmende Medikamente, Schmerzmittel oder Gelenkinjektionen können ebenfalls wirksam sein.
Hyaluronsäuretherapie bei Gonarthrose
In frühen Stadien einer Gonarthrose kann auch eine Hyaluronsäure-Therapie infrage kommen. Dabei wird in regelmäßigen Abständen Hyaluronsäure in das Kniegelenk gespritzt, um die Gelenkflüssigkeit zu verbessern. Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkschmiere.
Operative Therapie bei Gonarthrose: die gesamte Bandbreite der operativen Verfahren an einem Ort
In späteren Stadien oder wenn die genannten Therapieoptionen nicht ausreichend helfen, sollten Patienten eine Operation in Betracht ziehen. Im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe werden sämtliche operative Verfahren zur Behandlung einer Kniearthrose durchgeführt.
Minimal-invasive Kniegelenksspiegelung (Arthroskopie)
Bei im Vordergrund stehenden Meniskusschäden, bei aktivierter Arthrose mit starkem Gelenkerguss oder auch bei Blockierungen des Kniegelenkes aufgrund abgebrochener Knorpelstücke kann eine Kniegelenksspiegelung (Knie-Arthroskopie) infrage kommen, um das Kniegelenk zu säubern und teilweise auch zu sanieren und so den Reizzustand zu beseitigen. Dies ist eine minimalinvasive Knie-OP. Dabei entfernt der Arzt über sehr kleine Hautschnitte abgebrochene Knorpelstücke und glättet den aufgerauten bzw. zerrissenen Knorpel.
Knorpelersatz bei Kniearthrose
Bei begrenzten Knorpelschäden im Knie kann auch ein Knorpelersatz infrage kommen. Eine Methode hierfür ist die Mikrofrakturierung, bei der der Knochen unter dem Knorpel leicht angebohrt wird. Diese gezielten kleinen Knochenverletzungen setzen Stammzellen aus dem Knochenmark frei, die die Bildung von neuem Faserknorpel anregen. Dieses Verfahren eignet sich jedoch nur für begrenzte Knorpelschäden.
Im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe ist auch eine Autologe Knorpelzelltransplantation (ACT) möglich. Dabei wird in einem minimalinvasiven Eingriff gesundes Knorpelgewebe entnommen, im Labor vermehrt und nach wenigen Wochen ins Knie transplantiert.
Knöcherne Korrektur der Beinachse (Umstellungsosteotomie)
Eine Umstellungsosteotomie ist ein gelenkerhaltender Eingriff bei Kniearthrose (Gonarthrose) mit einer Achsenfehlstellung (X- oder O-Beine). Dabei durchtrennt der Arzt den Knochen meist am Schienbeinkopf gezielt und korrigiert die Beinachse. So wird der geschädigte Bereich des Knies entlastet. Der Druck wird anschließend gleichmäßig auf den verbleibenden gesunden Knorpel verteilt. Durch eine Umstellungsosteotomie kann das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks oft um Jahre hinausgezögert werden.
Knie-Teilprothese: Schlittenprothese und Oberflächenersatz
Eine Knie-Teilprothese ist ein künstlicher Gelenkersatz. Wie der Name schon sagt, wird hierbei nur ein Teil des Knies künstlich ersetzt. Je nachdem wo sich die Arthrose im Knie befindet, kommen dafür unterschiedliche Prothesen infrage.
Die häufigste Knie-Teilprothese ist die unikondyläre Knieprothese. Kondylen nennt man die beiden runden Oberschenkelrollen im Kniegelenk. Eine unikondyläre Knieprothese deckt nur eine der beiden Kondylen ab. Eine unikondyläre Teilprothese kommt also zum Einsatz, wenn nur eine Seite des Gelenks – innen oder außen – stark abgenutzt ist. Da die Prothese wie eine Kufe aufliegt, wird sie auch Schlittenprothese genannt. Die Bänder und das gesunde Gewebe bleiben im Knie. Eine Schlittenprothese bietet für Patienten viele Vorteile: Oft ist nur ein kleiner Schnitt nötig. Da nur der kranke Teil des Knies ersetzt wird und oft beide Kreuzbänder erhalten bleiben, sind sie meist schnell nach der OP wieder fit. Dieses Verfahren eignet sich nicht bei starker Gonarthrose im gesamten Knie oder starken Achsfehlstellungen.
Eine weitere Form der Knie-Teilprothese ist die Oberflächenersatzprothese. Dabei werden abgenutzte Knorpel- und Knochenschichten am Oberschenkel und Schienbein nicht ganz entfernt, sondern nur dünn abgetragen. Dann werden sie mit passgenauen Metall- und Kunststoffkomponenten – ähnlich wie bei einem defekten Zahn – „überkront“. Auch hier bleiben die körpereigenen Bänder erhalten.
Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP)
Eine Knie-Totalendoprothese, kurz Knie-TEP, kommt bei fortgeschrittener Gonarthrose zum Einsatz. Dabei wird das gesamte Kniegelenk vollständig ersetzt. Moderne Knieendoprothesen sind sogenannte Oberflächenprothesen. Dabei entfernt der Arzt nur die verschlissene Knorpeloberfläche und der Knochen bleibt weitgehend intakt. Während der Operation werden die Gelenkflächen durch künstliche Gleitflächen ersetzt. Ein Teil der Prothese bedeckt das Ende des Oberschenkelknochens, der andere Teil das Ende des Schienbeinknochens. Außenband, Innenband und das hintere Kreuzband bleiben erhalten.
Bei ausgeprägten Instabilitäten oder größeren Achsabweichungen (O-Bein, X-Bein) können auch verschiedene Varianten sogenannter gekoppelter Prothesen erforderlich werden.
Die Knieeprothese besteht meist aus Metall und Kunststoffkomponenten (Polyethylen). Die Wahl der richtigen Prothese wird individuell auf jeden Patienten abgestimmt.
Revisionsoperation/Prothesenaustauschoperation
Diese größeren Eingriffe umfassen den Austausch oder die Korrektur einer bestehenden künstlichen Knieprothese. Häufige Gründe dafür sind Prothesenlockerung und Materialverschleiß im Laufe der Zeit. Es kann sowohl ein Teil der Prothese als auch die gesamte Prothese ersetzt werden. Die Wahl des geeigneten Verfahrens erfolgt individuell für jeden Patienten.
Robotisch-assistierte Knieoperationen
Im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe können Knieprothesen in einigen Fällen auch robotisch-assistiert eingesetzt werden. Der OP-Roboter entscheidet nicht selbst, sondern dient dem Operateur als präzises Werkzeug. So sind noch genauere Schnitte und ein noch präziseres, knochenschonendes Arbeiten möglich. Außerdem ermöglichen robotisch-assistierte OPs eine kürzere Operationszeit.