Anatomie des Knies: Bänder sorgen für Stabilität
Zum Kniegelenk gehören im Wesentlichen drei Knochen: Der Oberschenkelknochen (Femur), das Schienbein (Tibia) und die Kniescheibe (Patella). Die Menisken (Außen- und Innenmeniskus) bestehen aus Faserknorpel und bilden das Verbindungsstück zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein. Sie sorgen außerdem für eine bessere Kraftverteilung im Knie. Bänder sorgen für Stabilität. Dazu gehören die Seitenbänder, die verhindern. dass das Knie seitlich wegknickt. Im Kniegelenk kreuzen sich zudem zwei Bänder:
vorderes Kreuzband: verhindert das Nach-vorn-Rutschen des Unterschenkels
hinteres Kreuzband: sichert die Gegenrichtung. Ein vorderer Kreuzbandriss ist dabei deutlich häufiger als eine Verletzung des hinteren Bandes.
Ursachen und Risikofaktoren für einen Kreuzbandriss
Ein Kreuzbandriss kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten sind:
- abrupte Stopp- und Drehbewegungen bei Fußball, Handball oder Basketball
- Landung nach einem Sprung mit nach innen einknickendem Knie (Valgusstellung)
- Skiunfälle mit Verdrehung des Beins bei fixiertem Schuh
- Verkehrs- und Arbeitsunfälle mit direkter Krafteinwirkung auf das gestreckte Bein
Besonders häufig sind sportlich aktive Personen zwischen 15 und 45 Jahren von einem Kreuzbandriss betroffen. Ballsportarten stehen besonders häufig im Zusammenhang mit Kreuzbandrissen: Etwa 1 bis 6 % aller Fußballer verletzen sich jährlich das vordere Kreuzband.
Zudem sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Sie haben je nach Studie ein 2- bis 7-mal höheres Risiko für einen Kreuzbandriss. Gründe dafür sind anatomische Unterschiede wie z. B. ein breiteres Becken sowie hormonelle Einflüsse auf die Bandelastizität.
Kreuzbandriss: Symptome
Ein Kreuzbandriss äußert sich durch:
- ein hörbares oder spürbares Knacken im Moment der Verletzung
- sofort einsetzender, stechender Schmerz, der nach Minuten in einen dumpfen Dauerschmerz übergeht
- Schwellung innerhalb der ersten zwei Stunden durch einen Bluterguss im Gelenk (Hämarthros)
- eingeschränkte Streckung und Beugung, oft verbunden mit einem Gefühl der Blockade
- unsicheres, wackeliges Gefühl beim Auftreten, besonders auf unebenem Untergrund oder beim Treppabgehen
Diagnose Kreuzbandriss: Mehr als nur ein instabiles Knie
Die Diagnose eines Kreuzbandrisses besteht in der Regel aus drei Teilen: einer Befragung zum Unfallhergang und den Symptomen (Anamnese), einer körperlichen Untersuchung sowie einer bildgebenden Untersuchung.
Eine Magnetresonanztomografie (MRT) ist das geeignetste bildgebende Verfahren, um einen Kreuzbandriss sicher zu diagnostizieren. Erst das MRT zeigt zuverlässig, ob das Kreuzband gerissen ist und welche Begleitstrukturen – Meniskus, Knorpel, Seitenbänder – mitbetroffen sind.
Kreuzbandriss ohne OP behandeln
Nicht jeder Kreuzbandriss muss operiert werden. Bei geringem sportlichem Anspruch, guter muskulärer Führung und stabilem Gangbild kann eine konservative Therapie mit intensiver Physiotherapie ein tragfähiger Weg sein – vorausgesetzt, das Gelenk wird engmaschig ärztlich kontrolliert.
Die Grenzen dieser Behandlungsmethode zeigen sich im Verlauf. Bei 25 % bis 39 % der Patienten, die zunächst konservativ behandelt wurden, kann später eine Kreuzbandinsuffizienz auftreten. Eine bestehende Knieinstabilität belastet Meniskus und Knorpel mit jedem Fehltritt – und begünstigt langfristig eine Arthrose. Anders als beim Achillessehnenriss, der unter Ruhigstellung häufig zuverlässig ausheilt, besitzt das gerissene Kreuzband zudem kaum Selbstheilungspotenzial. Es fehlt die durchgehende Blutversorgung.
Die Entscheidung für eine konservative Therapie basiert auf konkreten Faktoren: Alter, Aktivitätsprofil, berufliche Belastung, Begleitverletzungen und die persönliche Erwartung an das Knie.
Kreuzband-OP: Moderne Verfahren mit nur winzigen Schnitten
Muss ein Kreuzbandriss operiert werden, wird dies wird im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe arthroskopisch durchgeführt. Dazu führt der Operateur mit einer Kamera versehene Instrumente über sehr kleine Schnitte am Knie ein. Die Kamera überträgt direkt auf hochauflösende Bildschirme im OP. Eine Besonderheit im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie: Hier sind die Schnitte selbst für arthroskopische Operationen im Vergleich zu anderen Kliniken besonders klein. Entsprechend ist die Wundheilung meist schneller und es bleiben nur minimale Narben zurück.
Folgende arthroskopische Verfahren kommen infrage:
Kreuzbandplastik
Eine Kreuzbandplastik wird durchgeführt, wenn der Riss des vorderen Kreuzbandes über 50 % des Banddurchmessers umfasst. Bei einer Kreuzbandplastik wird das gerissene Band entfernt und durch ein körpereigenes Transplantat (Autograft) ersetzt. Dafür werden meist Oberschenkel- oder Kniekehlsehnen verwendet. Das Sehnen-Transplantat wird mit Fäden, Schrauben oder Kunststoffstiften fixiert.
Diese Operationsmethode bietet den Vorteil, dass das Kniegelenk direkt nach dem Eingriff äußerst stabil ist. In der Regel kann der Patient das Knie sofort voll belasten, wobei die Beweglichkeit nur kurzzeitig eingeschränkt ist. Eine Gelenkorthese wird lediglich für einige Wochen benötigt. Ein Nachteil besteht darin, dass eine andere Sehne geschwächt werden muss, um das Transplantat zu gewinnen. Zudem fehlen nach dem Eingriff die ursprünglichen Nervenenden des natürlichen Kreuzbandes, was die Gelenkkoordination beeinflusst.
ACL-Repair – das eigene Kreuzband erhalten
Beim ACL-Repair wird das gerissene vordere Kreuzband nicht durch eine Sehne ersetzt, sondern möglichst erhalten. Die gerissenen Bandenden werden mit speziellen Nähten und kleinen Ankern wieder befestigt. Eine solche Behandlung kommt vor allem bei Rissen nahe am Oberschenkelknochen infrage. Voraussetzung ist, dass das Kreuzband noch eine gute Gewebequalität aufweist. Je nach Verletzung können zusätzliche Verfahren wie eine Verstärkung mit einem stabilen Band eingesetzt werden. Der Vorteil: Eine körpereigene Sehne muss nicht entnommen werden. Ob ein ACL-Repair möglich ist, hängt von der Art und Lage des Kreuzbandrisses ab.
Kreuzbandnaht bei Teilriss
Bei einem frischen Riss direkt am Knochen oder einem Teilriss des Kreuzbands kann auch das eigene Kreuzband repariert werden. Der Bereich des knöchernen Ansatzes wird mit kleinen Bohrlöchern vorbereitet. Anschließend bringt der Arzt die gerissenen Fasern mit speziellen Nahttechniken wieder an und fixiert sie. Die Naht des Kreuzbandes hat den Vorteil, dass das ursprüngliche Kreuzband mit allen Nervenendigungen erhalten bleibt, die später die Koordination beim Gehen unterstützen.
Zurück zum Sport: Der Weg zurück zur vollen Belastbarkeit
Die Rehabilitation nach einer Kreuzband-OP startet direkt am Tag nach dem Eingriff. In der ersten Phase stehen Abschwellung, Streckfähigkeit und die Aktivierung der Oberschenkelmuskulatur im Vordergrund. Es folgen Aufbau der Kraft, Schulung von Gleichgewicht und Bewegungskontrolle und schließlich sportartspezifische Belastungen mit Sprüngen, Richtungswechseln und Zweikampfsituationen.
Die Prognosen sind positiv: 85 % der Patienten erreichen nach einer Operation wieder ihr ursprüngliches Aktivitätsniveau. Der Erfolg hängt maßgeblich von der Nachsorge ab. Ein zu früher Wiedereinstieg ist oft der Hauptgrund für einen erneuten Riss. Freigaben für den Wiedereinstieg in den Sport basieren auf messbaren Kriterien wie Kraftvergleich und Sprungtests, nicht auf zeitlichen Vorgaben. Gezieltes neuromuskuläres Training reduziert das Risiko eines Rückfalls nachhaltig.
Häufige Fragen
Ein Kreuzbandriss äußert sich vor allem durch ein Knacken und ein darauffolgender spürbarer Schmerz im Knie. Er geht auch mit einer Schwellung, Instabilität und eingeschränkter Beweglichkeit einher.
Bei wenig sportlich aktiven älteren Betroffenen kann eine konservative Therapie ausreichend sein. Die Entscheidung ist individuell. Allerdings führt eine konservative Therapie in vielen Fällen nicht zur gewünschten Beweglichkeit.
In der Regel erfolgt die Operation eines Kreuzbandrisses nach 2 – 4 Wochen, wenn das Knie abgeschwollen und schmerzfrei ist. Bei Profisportlern oder wenn Begleitverletzungen wie ein Meniskusriss vorliegen, erfolgt die Operation meist innerhalb von 48 Stunden.
Je nach Sportart muss man nach einem Kreuzbandriss 6 bis 12 Monate pausieren. Nach 6 bis 8 Wochen kann jedoch meist schon mit leichtem Krafttraining und Radfahren begonnen werden.