Ösophagusatresie

Bei der Ösophagusatresie handelt es sich um einen angeborenen Verschluss der Speiseröhre.

Die Ösophagusatresie (Speiseröhreverschluss) ist eine angeborene Fehlbildung der Speiseröhre, bei der die Verbindung zwischen Mund und Magen unterbrochen ist. Häufig tritt eine Ösophagusatresie zusammen mit einer Tracheomalazie auf, eine Fehlbildung der Luftröhre (Trachea). Denn beide Organe entstehen in der Embryonalphase zusammen. Oft liegen weitere Fehlbildungen vor. Zudem sind Kinder mit Trisomien, wie der Trisomie 21 („Down-Syndrom“) aber auch mit Trisomie 17 häufiger von einer Ösophagusatresie betroffen.

Diese komplexen Fehlbildungen des Neugeborenen erfordern unmittelbar nach der Geburt eine spezialisierte kinderchirurgische Versorgung, um eine normale Nahrungsaufnahme und Atmung zu ermöglichen. Die Experten der Klinik für Kinderchirurgie betreuen Kinder mit Ösophagusatresie nach den neuesten medizinischen Standards – von der Erstversorgung über die Operation bis hin zur langfristigen Nachsorge. Dabei bringen sie langjährige Erfahrung, modernste Technologie und ein enges interdisziplinäres Team aus Kinderchirurgie, Neonatologie, Gastroenterologie, Ernährungstherapie und Pflege ein.

Formen von Ösophagusatresien

Es werden zwei Formen von Ösophagusatresien unterschieden:

Speiseröhrenverschluss ohne Fistel 

Bei einem Speiseröhrenverschluss ohne Fistel liegt ein größerer Abstand der Speiseröhren-Enden vor. 

Isolierte Fistel zwischen Luft- und Speiseröhre 

Ein weiterer Sonderfall der Ösophagusatresie ist der Speiseröhrenverschluss mit isolierter rohrförmiger Fistel, die Luft- und Speiseröhre verbindet. In diesem Fall führen Begleiterkrankungen wie Erstickungsanfälle oder Lungenentzündungen oftmals zu einer verzögerten Diagnose. 

Diagnose der Ösophagusatresie

Die Diagnostik der Ösophagusatresie erfolgt oft schon vor der Geburt durch eine Ultraschalluntersuchung. Anzeichen, die auf eine Ösophagusatresie hindeuten, sind vermehrtes Fruchtwasser (Polyhydramnion) und/oder eine fehlende oder kleine Magenblase. Wichtig sind auch umfassende Untersuchungen (Ultraschall von Nieren, Wirbelsäule und Herz), da oft weitere Fehlbildungen bestehen.  

Sofort nach der Geburt deuten verschiedene Symptome wie schaumiger Speichelfluss, Husten, Atemnot, Zyanose (Blaufärbung) beim Trinken auf eine Ösophagusatresie hin. Daraufhin versucht der Arzt, eine dünne Magensonde durch Mund oder Nase einzuführen. Liegt eine Atresie vor, stoppt die Sonde mit federndem Widerstand. Eine Röntgenaufnahme sichert die Diagnose.

Modernste Operationstechniken zur Behandlung der Ösophagusatresie

Für die Behandlung wird meist zunächst eine Magenfistel (Gastrostomie) angelegt. Damit ist die chirurgische Schaffung einer künstlichen Mündung des Magens (Gastrostoma) auf der Bauchdecke zur Anlage einer Ernährungssonde (PEG) gemeint. Damit kann das Kind ernährt werden und wachsen. Die Speiseröhrendurchgängigkeit wird erst später hergestellt.

Für die Behandlung der Fistel ist eine Operation das Mittel der Wahl. Sie wird in den ersten Lebenstagen des Kindes durchgeführt. Der chirurgische Fistelverschluss erfolgt über einen Schnitt am Hals, manchmal auch über die Brusthöhle: In der Klinik für Kinderchirurgie wird der Eingriff mit einer Luftröhrenspiegelung begonnen. Dann wird über einen Zugang über den rechten Brustkorb die Fistel zur Luftröhre durchtrennt und die Enden der Speiseröhre können zu einem durchgängigen Schlauch vereinigt werden. Während der Operation erhält das Kind eine Ernährungssonde über die Nase in den Magen. 

Nach einigen Tagen kann mit der Ernährung begonnen werden. Und nachdem das Kind ausreichend schluckt, kann der Ernährungsschlauch entfernt werden.

Die operative Korrektur der Ösophagusatresie ist hochspezialisiert und erfordert Erfahrung und technisches Feingefühl. Das Team der Klinik für Kinderchirurgie nutzt modernste mikrochirurgische und minimal-invasive Verfahren, die individuell auf den jeweiligen Fehlbildungstyp abgestimmt werden.

Dank roboter-assistierter Operationssysteme können Eingriffe heute noch präziser und gewebeschonender durchgeführt werden – insbesondere bei komplexen anatomischen Verhältnissen. Diese Technik ermöglicht feinste Nahttechniken, eine hervorragende Sicht und eine sehr hohe Präzision, was das Risiko von Komplikationen senkt und die Heilung beschleunigt.

Die operativen Verfahren orientieren sich dabei konsequent an den aktuellen ERNICA-Guidelines (European Reference Network for Rare Inherited and Congenital Anomalies), die europaweit die Qualitätsstandards in der Behandlung seltener angeborener Fehlbildungen definieren.

Zertifiziertes Zentrum – ausgezeichnete Expertise

Die Klinik für Kinderchirurgie ist eine von wenigen in Deutschland von KEKS e.V. (Selbsthilfeorganisation für Kinder und Erwachsene mit kranker Speiseröhre) zertifizierten Kliniken zur Behandlung und Nachsorge der Ösophagusatresie. Diese Auszeichnung steht für höchste fachliche Kompetenz, strukturierte Nachsorgekonzepte und eine enge Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen und Fachgesellschaften.

Zertifizierte KEKS-Klinik sind verpflichtet, Kinder und ihre Familien nach aktuellen wissenschaftlichen Standards und mit besonderem Augenmerk auf Langzeitbetreuung, Ernährung, Atmung und Lebensqualität zu begleiten. So wird sichergestellt, dass betroffene Kinder nicht nur operativ bestmöglich versorgt, sondern auch langfristig in ihrer Entwicklung unterstützt werden.

Familienbezugspflege

Die Nachsorge ist bei Kindern mit Ösophagusatresie von zentraler Bedeutung. Schlucktraining, Atemphysiotherapie, Ernährung, Refluxtherapie und Verlaufskontrollen müssen engmaschig koordiniert werden.

In der Klinik für Kinderchirurgie sorgt die Familienbezugspflege dafür, dass Familien ab dem ersten Aufenthalt eine feste und vertraute Ansprechperson haben. Diese begleitet Eltern und Kind während des gesamten stationären Aufenthaltes und in der Zeit danach, koordiniert Nachsorgetermine, unterstützt bei Ernährungsfragen und sorgt für eine verlässliche Kommunikation zwischen Eltern, Ärzteteam und Therapeutinnen.

Durch dieses strukturierte Betreuungskonzept wird sichergestellt, dass Kinder nach der Operation medizinisch optimal versorgt und menschlich umfassend begleitet werden.

Ein selbstbestimmtes Leben trotz seltener Erkrankung

Die Behandlung und Nachsorge der Ösophagusatresie erfordert nicht nur chirurgisches Können, sondern auch langfristige Begleitung und Vertrauen. Die Experten des Marien Hospital Witten möchten Kindern und ihren Familien zeigen, dass ein gutes, selbstbestimmtes Leben auch mit einer seltenen Erkrankung möglich ist.

Durch die Zertifizierung als KEKS-Kompetenzklinik, den Einsatz modernster roboter-assistierter Chirurgie und eine engmaschige Nachsorge nach internationalen Leitlinien (ERNICA) bietet eine Versorgung, die höchsten medizinischen und menschlichen Ansprüchen gerecht wird.

Ein Termin in der Viszeralchirurgischen Sprechstunde bietet Raum für Fragen oder die für die Abstimmung eines Geburts- und Behandlungsplans.

 

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