Fachleute unterscheiden zwischen nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (abgekürzt: NSCLC) und kleinzelligem Lungenkrebs (abgekürzt SCLC). Beide Gruppen unterscheiden sich in Wachstumsverhalten, Ausbreitung und Therapieansatz grundlegend voneinander.
- Nicht kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC): mit etwa 85 % aller Fälle die weitaus häufigere Form, zu der Adenokarzinome, Plattenepithelkarzinome und großzellige Karzinome zählen
- Kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC): seltener, aber durch sein rasches Wachstum und seine frühe Neigung zu streuen besonders aggressiv
Lungenkrebs: Symptome, Ursachen und Risikofaktoren
Lungenkrebssymptome sind zu Beginn der Erkrankung häufig wenig charakteristisch. Typische Beschwerden wie Husten, Heiserkeit, Atemnot oder Erschöpfung verbinden die meisten Menschen zunächst mit leichteren Atemwegserkrankungen, wie einer Erkältung oder einem viralen Infekt.
Auch ohne Auftreten von Symptomen kann ein Lungenkarzinom manchmal zufällig bei einer Röntgen- oder Computertomographie entdeckt werden.
Typische Warnsignale eines Bronchialkarzinoms
Ärztlich untersucht werden sollten insbesondere neu auftretende, anhaltende oder zunehmend stärker werdende Beschwerden.
Zu den typischen Symptomen von Lungenkrebs zählen:
- Wiederkehrende Fieberschübe
- über zwölf Wochen anhaltender Husten
- blutiger Auswurf beim Husten
- Brustschmerzen
- Atemnot
- Allgemeiner Kräfteverfall, starker Gewichtsverlust
- Heiserkeit und Lymphknotenschwellung
Die meisten Symptome deuten jedoch nicht direkt auf einen Lungenkrebs hin. Sie können auch Teil weniger ernster Erkrankungen sein. Besonders da ein Bronchialkarzinom in den frühen Stadien der Erkrankung wenig bis keine Symptome verursacht, ist insbesondere für Personen aus Risikogruppen eine regelmäßige Vorsorge zu empfehlen.
Lungenkrebs: Risikofaktor Rauchen
Die Ursache für ein Bronchialkarzinom lässt sich im Einzelfall nicht immer eindeutig feststellen. Bekannt sind jedoch verschiedene Faktoren, die das Lungenkrebsrisiko erhöhen.
Der stärkste Faktor ist das Rauchen. Etwa 85 Prozent der Patienten, die an Lungenkrebs versterben sind Raucher. Je stärker der Zigarettenkonsum ist und je früher mit dem Rauchen begonnen wird, umso höher steigt das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken. Auch starkes und regelmäßiges Passivrauchen kann das Risiko für Lungenkrebs erhöhen. Das heißt, dass auch Nichtraucher, die jedoch regelmäßig starkem Zigarettenrauch ausgesetzt sind ein erhöhtes Risiko haben.
Nicht nur Lungenkrebs wird durch Rauchen gefördert. Tabakrauch erhöht auch das Risiko für andere Erkrankungen, zum Beispiel einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung. Im Herz-Kreislauf-System beschädigt das Rauchen die Arterien, treibt den Blutdruck hoch und lässt das Blut verklumpen. Dadurch können beispielsweise auch lebensgefährliche Herzinfarkte, Schlaganfälle und schwere Durchblutungsstörungen in den Beinen entstehen.
Je früher Lungenkrebs erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Eine regelmäßige Krebsvorsorge kann dafür sorgen, dass auffällige Stellen in der Lunge frühzeitig entdeckt und abgeklärt werden können.
Deshalb gehört seit Frühjahr 2026 die Lungenkrebs-Früherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomographie zum Leistungsangebot der gesetzlichen Krankenkassen. Das Lungenkrebsscreening richtet sich an langjährige aktive oder ehemalige starke Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren.
Die Erstuntersuchung erfolgt dabei über die Hausärzte, Lungenfachärzte und in niedergelassenen radiologischen Praxen. Zeigt sich bei der Früherkennung ein auffälliger Befund oder besteht aus anderen Gründen der Verdacht auf Lungenkrebs, sind weitere Untersuchungen notwendig. Die Diagnostik kann dann in der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie und Pneumologie im Marien Hospital Witten durchgeführt werden.
Bildgebende Verfahren können einen Verdacht auf Lungenkrebs begründen. Eine eindeutige Diagnose ist jedoch meistens erst durch die Entnahme und Untersuchung einer Gewebeprobe möglich.
Die Untersuchung der Gewebeprobe zeigt, ob tatsächlich Krebszellen vorhanden sind. Außerdem ist erkennbar, ob es sich dabei um einen Tumor oder Metastasen einer anderen Krebsart und um welche Art von Lungenkarzinom es sich handelt. Diese Informationen sind sehr wichtig, weil sie die Auswahl einer zielgerichteten Behandlung beeinflussen können.
Der Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie und Pneumologie des Marien Hospital Witten stehen verschiedene moderne und hochspezialisierte Untersuchungsverfahren zur Verfügung:
| Untersuchungsverfahren | Bedeutung bei der Lungenkrebs-Diagnose |
|---|---|
| Röntgenuntersuchung | Kann Veränderungen der Lunge, entzündliche Verdichtungen des Gewebes sowie deren Lage und Größe sichtbar machen. |
| Computertomographie (CT) | Liefert detaillierte Schnittbilder und zeigt Lage, Größe und Ausdehnung verdächtiger Veränderungen. Wird als niedrig-dosiertes Untersuchungsverfahren für die Früherkennung eingesetzt. |
| Bronchoskopie (Lungenspiegelung) in flexibler und starrer Technik | Ermöglicht die direkte Untersuchung der Atemwege und die Entnahme von Gewebeproben. |
| Endobronchialer Ultraschall (EBUS) | Kombination aus Lungenspiegelung und Ultraschall. Sie ermöglicht eine detaillierte Untersuchung nicht nur innerhalb der Lunge, sondern auch von Strukturen um das Organ herum – wie den Lymphknoten – und die Entnahme von Gewebeproben. |
| Navigationsbronchoskopie | Unterstützt die gezielte Untersuchung kleiner oder weit außen liegender Veränderungen. |
Ein Bronchoskop verfügt über eine Lichtquelle und eine Kamera. Dadurch können die Atemwege von innen betrachtet und auffällige Schleimhautbereiche, Blutungen oder Verengungen erkannt werden. Über feine Instrumente lassen sich während der Lungenspiegelung Gewebeproben, Zellmaterial oder Sekret entnehmen. Die Proben werden anschließend im Labor untersucht.
In bestimmten Situationen wird auch eine starre Bronchoskopie durchgeführt. Dabei sichert ein Metallrohr den Atemweg. Die weitere Lungenspiegelung erfolgt dann direkt über dieses eingeführte Endoskop. Dieses Verfahren erfolgt in Vollnarkose und kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn größere Gewebeproben benötigt, Blutungen behandelt oder tumorbedingte Verengungen der Atemwege erweitert werden müssen.
Endobronchialer Ultraschall (EBUS) in der Lungenkrebsdiagnostik
Der endobronchiale Ultraschall, kurz EBUS, verbindet eine Bronchoskopie mit einer Ultraschalluntersuchung. An der Spitze des Bronchoskops befindet sich eine kleine Ultraschallsonde, mit der auch Strukturen außerhalb der Bronchien sichtbar gemacht werden können.
Dadurch ermöglicht sie eine detaillierte Untersuchung des Gewebes in der Lunge, aber auch um das Organ herum, zum Beispiel der Lymphknoten. Auffällige oder vergrößerte Lymphknoten können gezielt dargestellt und mit einer dünnen Nadel punktiert werden. Dadurch lässt sich häufig ohne offene Operation eine Gewebeprobe gewinnen.
Die Untersuchung hilft nicht nur dabei, die Diagnose von Lungenkrebs zu bestätigen. Sie liefert auch wichtige Informationen darüber, ob und wie weit sich ein Lungenkarzinom bereits ausgebreitet hat. Dies ist insbesondere für die Behandlungsplanung wichtig.
Der Bronchialbaum der Lunge ist ziemlich verzweigt und dadurch mit einem Bronchoskop nicht immer leicht bis zu den kleineren Herden in der Lunge zu navigieren. Die Navigationsbronchoskopie kann hier als eine Art Navigationssystem dienen. Dadurch lassen sich auch schwer erreichbare kleine Rundherde untersuchen.
Bei der Navigationsbronchoskopie wird aus zuvor angefertigten CT-Aufnahmen ein dreidimensionales Bild der Lunge erstellt. Dieses dient als Grundlage für den Weg des Bronchoskops durch das fein verzweigte Bronchialsystem. So kann möglichst genau zu einer verdächtigen Veränderung navigiert werde, um dort Zellen oder Gewebeproben zu entnehmen.
Die Navigationsbronchoskopie bei Lungenkrebs erweitert damit die diagnostischen Möglichkeiten insbesondere bei kleinen, tief im Lungengewebe gelegenen oder schwer zugänglichen Rundherden.
Behandlung eines Lungentumors
Jede Lungenkrebsbehandlung muss individuell geplant werden. Entscheidend für die Behandlung sind die genaue Art des Tumors, das Erkrankungsstadium, das Leistungsvermögen der Lunge und der allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Häufig ist die Zusammenarbeit mehrerer medizinischer Fachrichtungen erforderlich. Deshalb wird jeder Erkrankungsfall im Marien Hospital Witten in einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen.
An der Tumorkonferenz zu Lungenkrebs im Marien Hospital Witten beteiligen sich abhängig von der individuellen Situation unter anderem Fachleute aus Pneumologie, Onkologie, Radiologie, Strahlentherapie und Thoraxchirurgie. Gemeinsam werden die Untersuchungsergebnisse ausgewertet und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gegeneinander abgewogen.
Auf dieser Grundlage entsteht ein persönlicher Therapieplan. Dabei können neben Operation, Strahlen- und Chemotherapie auch Immuntherapien sowie zielgerichtete Behandlungsverfahren berücksichtigt werden.
Die unterschiedlichen Behandlungsverfahren zu Lungenkrebs zielen in erster Linie darauf ab, den Tumor vollständig zu entfernen oder zu vernichten (kurative Therapie). Ist das Lungenkarzinom bereits zu weit fortgeschritten, so dass eine Heilung nicht mehr möglich ist, soll stattdessen durch eine palliative Behandlung die Erkrankung möglichst lange kontrolliert werden. Gleichzeitig versucht die palliative Medizin die Lebensqualität der Patienten zu erhalten.
In der Regel setzt sich die Behandlung aus einer Kombination von Operation, Strahlen- und Chemotherapie zusammen. Welche Behandlung einzeln oder in Kombination eingesetzt wird, hängt von der Krankheitssituation des Patienten ab und muss immer individuell auf den Patienten abgestimmt werden.
Häufige Fragen zu Lungenkrebs
Ein auffälliger Befund in der Lungenkrebs-Früherkennung bedeutet nicht automatisch, dass ein Lungentumor vorliegt. Abhängig von Größe, Form und Entwicklung der auffälligen Veränderung können weitere CT-Kontrollen oder zusätzliche Untersuchungen erforderlich sein. Hierfür stehen im Marien Hospital Witten moderne Diagnostikverfahren zur Verfügung. Besteht ein konkreter Krebsverdacht, wird häufig eine Gewebeprobe entnommen, beispielsweise im Rahmen einer Bronchoskopie.
Ja. Rauchen ist zwar der wichtigste Risikofaktor, ein Lungenkarzinom kann jedoch auch bei Menschen auftreten, die nie geraucht haben. Auch passives Rauchen, also dem Zigarettenrauch anderer Personen stark ausgesetzt zu sein, kann das Risiko erhöhen. Weitere mögliche Risikofaktoren sind Radon, Asbest, Luftschadstoffe und bestimmte berufliche Belastungen. In manchen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen.
Die Heilungschancen hängen vor allem von der Art und dem Stadium des Lungentumors sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand ab. Früh erkannte, lokal begrenzte Tumoren lassen sich häufig besser behandeln als fortgeschrittene Erkrankungen. Eine verlässliche Einschätzung ist deshalb erst nach Abschluss der Diagnostik und der Bestimmung des Tumorstadiums möglich.