Rotatorenmanschettenruptur
Die Rotatorenmanschette ist eine funktionelle Einheit aus vier Muskeln, die den Oberarmkopf stabilisieren und präzise Schulterbewegungen ermöglichen. Reißt eine oder mehrere dieser Sehnen, spricht man von einer Rotatorenmanschettenruptur (Ruptur = Riss).
Musculus supraspinatus (Obergrätenmuskel): Hebt den Arm seitlich an und leitet die Abduktion ein.
Musculus infraspinatus (Untergrätenmuskel): Verantwortlich für die Außenrotation des Arms.
Musculus teres minor (Kleiner Rundmuskel): Unterstützt die Außenrotation und zieht den Arm nach hinten.
Musculus subscapularis (Unterschulterblattmuskel): Verantwortlich für die Innenrotation und das Heranziehen des Arms.
Ursachen der Rotatorenmanschettenruptur
Grundsätzlich unterscheiden Mediziner zwei Entstehungswege:
Traumatische Rupturen: entstehen durch plötzliche Krafteinwirkung, etwa bei einem Sturz auf den ausgestreckten Arm.
Degenerative Rupturen: entwickeln sich schleichend durch jahrelangen Verschleiß – die weitaus häufigere Ursache.
Degenerative Rupturen sind stark altersabhängig. Studien zeigen, dass etwa 31 % der Personen ab 70 Jahren degenerative Veränderungen aufweisen. Bei über 80-Jährigen steigt die Häufigkeit auf bis zu 62 %.
Welche Symptome verursacht eine Rotatorenmanschettenruptur?
Typische Warnsignale für eine Rotatorenmanschettenruptur sind:
- Schulterschmerzen nachts, die den Schlaf erheblich stören
- Kraftverlust beim Heben des Arms
- Bewegungseinschränkung im Schultergelenk
Diese Beschwerden betreffen Sehnen und Muskeln der Schulter auf unterschiedliche Weise – weshalb eine genaue Diagnostik vor jeder Entscheidung über eine konservative Behandlung oder eine Rotatorenmanschettenruptur OP unbedingt erforderlich ist.
Rotatorenmanschettenruptur – Diagnose
Eine präzise Diagnose der Rotatorenmanschettenruptur bildet die Grundlage für jede erfolgreiche Behandlung – denn Größe, Lage und Ausmaß des Risses bestimmen die Behandlung.
Die Untersuchung beginnt mit gezielten Funktionstests. Gängige Rotatorenmanschettenruptur Tests wie der Jobe-Test, der Painful Arc oder der Lift-off-Test prüfen einzelne Sehnenanteile auf Kraft und Schmerzreaktion. Diese spezifischen Provokationstests liefern erste Hinweise, welche Sehne betroffen sein könnte.
Zur bildgebenden Bestätigung gelten Ultraschall (Sonographie) und MRT als diagnostische Standards. Während der Ultraschall dynamische Untersuchungen und schnelle Erstevaluation ermöglicht, liefert das MRT detaillierte Aussagen über Riss-Ausmaß und Muskelsituation.
Die Klassifizierung erfolgt nach Riss-Größe und betroffener Sehne. Handelt es sich um einen Teilriss (Partialriss) oder ist die Sehne komplett gerissen? Ist der Riss stabil und verändert sich auch unter Belastung nicht oder haben sich die Sehnenstümpfe zurückgezogen? Ebenso relevant ist die Anzahl der betroffenen Sehnen. Sind mindestens zwei der vier Sehnen der Rotatorenmanschette vollständig durchtrennt, spricht man von einer Massenruptur.
Ebenso wichtig ist die Differentialdiagnose: Eine Omarthrose und Schulterimpingement zeigen ähnliche Beschwerden und müssen zuverlässig ausgeschlossen werden.
Welche Therapie – konservativ oder operativ – anschließend infrage kommt, hängt unmittelbar von diesen Befunden ab.
Konservative Behandlung einer Rotatorenmanschettenruptur
Nicht jede Rotatorenmanschettenruptur erfordert sofort eine Operation. Der geeignete Behandlungsweg richtet sich nach dem Ausmaß des Risses, dem Beschwerdebild und der individuellen Aktivität des Patienten. Bei einem Teilriss oder stabilen Rissen wird zunächst eine konservative Therapie empfohlen: gezielte Physiotherapie, entzündungshemmende Medikamente und, falls nötig, Kortison-Injektionen. Typische Beschwerden wie nächtliche Schulterschmerzen lassen sich so oft wirksam lindern. Für die konservative Behandlung ist ein niedergelassener Orthopäde der richtige Ansprechpartner.
Operation bei einer Rotatorenmanschettenruptur
Bei einem vollständigen Riss – besonders bei jüngeren und körperlich aktiven Patienten – wird in der Regel eine Operation der Rotatorenmanschette empfohlen.
Schulter-Arthroskopie: Behandlung der Rotatorenmanschettenruptur mit nur kleinen Schnitten
Die arthroskopische Rekonstruktion ist heute der Standard: Sie verursacht weniger Komplikationen und postoperative Schmerzen als offene Verfahren. Ein Arthroskop ist ein Instrument für minimal-invasive Gelenkspiegelungen. Es umfasst eine Kamera, eine Lichtquelle und Spülkanäle. Durch winzige Hautschnitte eingeführt, überträgt das Arthroskop hochauflösende Bilder auf einen Monitor. So können Gelenkschäden präzise diagnostiziert und sofort behandelt werden. Die kleinen Operationswunden führen zu weniger Narben und einer schnellen Heilung. Zudem ermöglicht der Eingriff eine genaue Beurteilung des Schadens im Schultergelenk, sodass bei Bedarf weitere Maßnahmen ergriffen werden können.
Sehnentransfer
Bei einem großen Rotatorenmanschettendefekt, bei dem die Sehnen stark zurückgezogen und die Muskeln verfettet sowie abgebaut sind, ist eine Reparatur des Sehnenrisses oft nicht mehr möglich. Dies kann dazu führen, dass der Oberarmkopf nach oben unter das Schulterdach wandert und die Schulterfunktion eingeschränkt wird. Bei Patienten unter 60 Jahren kann in solchen Fällen eine andere Sehne aus dem Körper des Patienten verwendet werden, um den Sehnenriss zu verschließen. Häufig wird dafür eine flächige Sehne genutzt, die der Rotatorenmanschette in ihrer Substanz ähnelt. Geeignet sind oft der Latissimus dorsi (breiter Rückenmuskel) oder der untere Anteil des Trapezius (Trapezmuskel/Kapuzenmuskel), die von der betroffenen Seite verlagert werden.
Schulterprothese
Bei einer Rotatorenmanschettenruptur mit Schäden an den Gelenkflächen ist das Schultergelenk oft unbeweglich, da der Oberarmkopf unter dem Schulterdach liegt. Für ältere Patienten mit nicht rekonstruierbaren Rotatorenmanschettendefekten empfiehlt sich in solchen Fällen die Implantation einer Schulterprothese. Die moderne inverse Schulterprothese kann in der Regel ohne Schaft zementfrei und knochenschonend im Oberarm verankert werden. Sie wird weichteilschonend über einen sieben bis acht Zentimeter langen Schnitt eingesetzt.
Rotatorenmanschettenruptur: Nachsorge
Auf die Operation der Rotatorenmanschettenruptur folgt ein strukturiertes Rehabilitationsprogramm, das Beweglichkeit, Kraft und Alltagsfunktion schrittweise wiederherstellt – und den langfristigen Behandlungserfolg sichert.