Karpaltunnelsyndrom

Das sogenannte Karpaltunnelsyndrom ist die häufigste Nervenläsion der Hand. Es entsteht, wenn der Nervus medianus im engen knöchernen Kanal am Handgelenk unter Druck gerät. Dieser anatomische Engpass lässt kaum Spielraum: Schon eine leichte Schwellung des umliegenden Gewebes reicht aus, um den Nerv dauerhaft zu reizen. Das resultierende Kribbeln in den Händen ist dabei nur das erste, noch harmlose Signal eines Prozesses, der unbehandelt zu bleibenden Nervenschäden führen kann.

Grafische Darstellung des Karpaltunnelsyndroms

Das Karpaltunnelsyndrom ist weit verbreitet. Es tritt vor allem zwischen dem 35. und 70. Lebensjahr auf. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, wobei Frauen doppelt so häufig wie Männer erkranken.

Abgrenzung zu anderen Nervenläsionen

Nervenläsionen an der Hand sind Schädigungen der drei großen Hauptnerven (Nervus medianus, Nervus ulnaris oder Nervus radialis). Alle drei führen zu Taubheit, Kribbeln, Schmerzen oder Kraftverlust in Hand und Fingern. Da die drei Nerven unterschiedliche Finger versorgen, treten die Beschwerden jedoch an verschiedenen Fingern auf. Beim Karpaltunnelsyndrom ist der Mittelnerv geschädigt, der Daumen, Zeige-, Mittel- und die Hälfte des Ringfingers versorgt. Der Nervus radialis versorgt Daumen und Handrücken. Seltener treten Beschwerden im Bereich des Ring- und Kleinfingers auf. Dann liegt eine Nervenläsion des Nervus ulnaris vor. Hierbei ist dann von einem Kubitaltunnelsyndrom die Rede. Die Ursache liegt dann im Bereich des Ellenbogens.

Entstehung eines Karpaltunnelsyndroms

Ausgelöst werden die Beschwerden beim Karpaltunnelsyndrom durch einen andauernden Druck auf den Nervus medianus. In den meisten Fällen lässt sich keine direkte Ursache für das Karpaltunnelsyndrom feststellen. Einige Grunderkrankungen oder Ereignisse können jedoch ein Karpaltunnelsyndrom begünstigen:

  • angeborene Enge im Karpaltunnel
  • knöcherne Fehlstellung nach einem Bruch der Handwurzelknochen
  • Verrenkung der Handwurzelknochen
  • häufige, gleiche Bewegungen z. B. Tippen, handwerkliches Arbeiten oder Tennis
  • hormonelle Veränderungen durch z. B. Schwangerschaft, Wechseljahre oder Schilddrüsenüberfunktion
  • Sehnenscheidenentzündung bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises oder nach Verletzungen
  • Tumore oder knotige Nervenverdickung
  • Diabetes mellitus
  • Amyloidose (krankhafte Ablagerung von Eiweißen)
Frau mit Karpaltunnelsyndrom hält sich das schmkerzende Handgelenk

Häufige gleiche Bewegungen, wie z. B. Tippen, können ein Karpaltunnelsyndrom begünstigen. 

Karpaltunnelsyndrom – Symptome

Patienten mit einem Karpaltunnelsyndrom klagen über insbesondere nächtlich auftretende Missempfindungen – typischerweise im Bereich des Zeige-, Mittel- und Ringfingers. Das kann ein Taubheitsgefühl, aber auch ein Kribbeln in den Händen sein. Auch Schmerzen, die in den Arm ausstrahlen, können bei einem Karpaltunnelsyndrom auftreten. Zudem können die Beweglichkeit der Hand und die Griffkraft nachlassen.

Zu Beginn der Erkrankung treten die Symptome immer nur zeitweise unter Belastung auf und verschwinden dann wieder. Betroffene verspüren oft ein Kribbeln in den Fingern, ähnlich wie bei „eingeschlafenen“ Körperteilen. Die Beschwerden können bis in den Arm ausstrahlen.

Je länger das Karpaltunnelsyndrom unbehandelt bleibt, desto höher ist das Risiko einer dauerhaften Nervenschädigung. In fortgeschrittenen Stadien verstärken sich die Schmerzen und treten auch in Ruhe auf. Missempfindungen und Kraftverlust erschweren alltägliche Tätigkeiten wie das Schließen eines Hosenknopfes oder das Drehen des Lenkrads beim Autofahren. Feinmotorische Aufgaben werden herausfordernder, die Hand wirkt insgesamt ungeschickter. In Einzelfällen kann das Karpaltunnelsyndrom sogar zu Lähmungen der Hand und der Finger führen. 

Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms

Zunächst wird der Arzt die Beweglichkeit der Hand untersuchen. Bekannte Tests sind der Phalen-Test, bei dem die Handgelenke gebeugt werden und der Tinel-Test. Dabei klopft der Untersucher auf den Karpaltunnel und prüft, ob dies ein Kribbeln in der Hand auslöst. 

Messung der Nervenleitgeschwindigkeit 

Die wichtigste Untersuchung ist die durch einen Neurologen durchgeführte Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Dabei wird gemessen, wie schnell der Nerv einen leichten Stromimpuls weiterleitet. Eine verlangsamte Leitfähigkeit weist auf eine Verengung des Nervus medianus im Karpaltunnel hin. 

Ultraschall 

Ergänzend kann ein Ultraschall zur Diagnose des Karpaltunnelsyndroms zum Einsatz kommen. Er macht die Verdickung des Nervus medianus vor der Engstelle am Handgelenk direkt sichtbar.

Karpaltunnelsyndrom: konservative Behandlung

Ein leichtes bis mittelstarkes Karpaltunnelsyndrom lässt sich meist gut ohne Operation behandeln. Dazu gehört eine Handgelenksschiene (Orthese), die nachts getragen wird und das Abknicken des Handgelenks verhindert. Generelle Schonung des Handgelenks kann den überreizten Nerv zusätzlich entlasten. Spezielle Dehnübungen sowie Schmerzmittel können zur Linderung der Symptome beitragen. Für die konservative Behandlung ist ein niedergelassener Orthopäde der richtige Ansprechpartner.

Person mit Karpaltunnelsyndrom trägt Handgelenksschiene

Bei einem leichten Karpaltunnelsyndrom kann z. B. eine Handgelenksschiene helfen. Bringen konservative Maßnahmen keine Besserung, kann ein kleiner operativer Eingriff helfen.

Karpaltunnelsyndrom: moderne operative Maßnahmen

Bringen nicht-operative Maßnahmen keine Besserung, kann durch einen kleinen Eingriff der Nerv entlastet werden. Dabei wird das Karpalband durchtrennt, das an der Beugeseite der Handwurzel verläuft. So wird der Mittelnerv entlastet (Dekompression). Im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der St. Elisabeth Gruppe werden sämtliche operativen Verfahren zur Behandlung des Karpaltunnelsyndroms durchgeführt. Wann immer möglich, wird ein minimalinvasives Verfahren vorgeschlagen. 

Die Operation erfolgt zumeist im Rahmen eines ambulanten Eingriffs. Er ist unter Plexusanästhesie oder unter Vollnarkose möglich. Die Hand kann nach Abschluss der Wundheilung schnell wieder zunehmend belastet werden.

Über einen etwa 15 mm großen Hautschnitt in einer Hautfalte in der Nähe des Daumenballens wird das Karpalband sichtbar gemacht und auf seiner gesamten Länge durchtrennt. 

Häufige Fragen

Nein, ein Karpaltunnelsyndrom im Fuß gibt nicht, denn der Karpaltunnel liegt am Handgelenk. Am Fuß gibt es jedoch ein ähnliches Syndrom, das Tarsaltunnelsyndrom. Dabei ist der Schienbeinnerv (Nervus tibialis) am Innenknöchel durch einen engen Faserkanal eingeengt. Symptome sind Schmerzen und Taubheit in der Fußsohle.

Ein Karpaltunnelsyndrom äußert sich vor allem durch ein nächtliches Taubheitsgefühl sowie Kribbeln in der Hand. Später können Schmerzen, ein Verlust der Griffkraft und Lähmungserscheinungen hinzukommen.

Bei einem leichten Karpaltunnelsyndrom reichen oft Schonung, eine Handschiene, Dehnübungen und Schmerzmittel. Helfen diese Maßnahmen nicht oder ist das Karpaltunnelsyndrom fortgeschritten, kann eine OP helfen. Hierbei wird das Karpalband meist endoskopisch durchtrennt, um den Nerv zu entlasten.

 

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