In der Klinik für Kinderchirurgie des Marien Hospital Witten wird eine hochspezialisierte Diagnostik und Behandlung dieser Erkrankung angeboten. Dank modernster Bildgebung und endoskopischer Verfahren kann die genaue Ausprägung der Tracheomalazie präzise beurteilt werden, um die Therapie individuell auf jedes Kind abzustimmen.
Die Rolle der Luftröhre (Trachea) und der Atemwege
Die Luftröhre ist das zentrale Verbindungsstück zwischen dem Kehlkopf und den Bronchien. Als Hauptkanal der Atemwege leitet sie die eingeatmete Luft in die Lunge, wo der Gasaustausch in den Lungenbläschen stattfindet, und transportiert ausgeatmete Luft wieder nach außen.
Funktion und Aufbau der Luftröhre
Die Trachea wird durch C-förmige Knorpelspangen offengehalten, die ihr Stabilität verleihen und ein Zusammenfallen während des Atmens verhindern. Diese feste, aber flexible Struktur ist essenziell, um einen kontinuierlichen Luftstrom zu den Bronchien und dem Lungengewebe zu gewährleisten.
Tracheomalazie: Eine Schwäche der Luftröhrenwände
Bei einer Tracheomalazie sind die Knorpelspangen der Luftröhre zu weich oder geschwächt. Dadurch kollabiert die Luftröhre, insbesondere beim Ausatmen, Husten oder bei körperlicher Anstrengung.
Abgrenzung zu verwandten Erkrankungen (z.B. Laryngomalazie, Trachealstenose)
Malazie ist ein medizinischer Fachbegriff für eine krankhafte Erweichung oder Auflösung von Gewebe oder Organen. Während die Tracheomalazie die Instabilität der gesamten Luftröhre beschreibt, betrifft die Laryngomalazie den Kehlkopf. Eine Bronchomalazie dagegen ist eine krankhafte erweichung der Bronchien. Eine Trachealstenose hingegen ist eine feste, narbige Verengung der Atemwege und kein dynamischer Kollaps. Eine genaue Diagnostik ist entscheidend für die richtige Behandlung.
Ursachen und Risikofaktoren der Tracheomalazie bei Kindern
Es gibt zwei Arten von Tracheomalazie: Die primäre und die sekundäre Tracheomlazie.
Primäre Tracheomalazie
Die primäre Tracheomalazie bzw. die angeborene Malazie ist bereits bei der Geburt vorhanden und entsteht durch eine unvollständige Entwicklung der Knorpelstrukturen in der Luftröhre. Risikofaktoren dafür sind:
- Entwicklungsprobleme in der Schwangerschaft: Fehlentwicklungen des fötalen Lungengewebes und der Atemwege können zu einer angeborenen Schwäche der Trachea führen.
- Genetische Faktoren und Syndromassoziationen: In einigen Fällen ist die Tracheomalazie Teil eines genetischen Syndroms, das mehrere Organsysteme betrifft.
Sekundäre Tracheomalazie
Neben der angeborenen Tracheomalazie bei Babys gibt es auch sie sogenannte sekundäre Tracheomalazie, die auch als erworbene Tracheomalazie bezeichnet wird. Sie tritt in Folge von Verletzungen, Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale, cystischer Fibrose, chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), oder langfristiger Beatmung auf.
Symptome: Wie äußert sich Tracheomalazie?
Die Symptome variieren je nach Schweregrad des Kollapses und können fälschlicherweise als schweres Asthma oder COPD diagnostiziert werden, wenn keine gezielte Diagnostik erfolgt.
Die Leitsymptome sind auf die Verengung der Atemwege zurückzuführen und ähneln denen anderer Lungenkrankheiten. Bei den jüngsten Patienten stehen oft Fütterungsprobleme und Gedeihstörungen im Vordergrund. darüber hinaus können bei Kindern mit Tracheomalazie auch folgende Symptome auftreten:
- Atemnot und pfeifende Atemgeräusche (Stridor): insbesondere beim Ausatmen, Weinen, oder Lachen
- Chronischer Husten: oft schleimig und hartnäckig, da die Luftröhre kollabiert und Sekret nicht abtransportiert werden kann
- Wiederkehrende Atemwegsinfektionen: Der Sekretstau begünstigt Bronchitis und Lungenentzündungen
Tracheomalazie: Diagnose
Tracheomalazie wird bei Kindern oft durch eine Kombination aus Arztgespräch, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren diagnostiziert. Durch ein Bronchoskop, eine Kamera, die in die Atemwege eingeführt wird, lässt sich die Struktur der Luftröhre beurteilen. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs oder eine Computertomographie (CT) zur Untersuchung der Atemwege eingesetzt werden. Manchmal wird auch eine dynamische MRT durchgeführt, um die Beweglichkeit der Luftröhre während der Atmung zu beobachten.
Moderne Operationsverfahren – sichere Stabilisierung der Atemwege
Oft bessert sich die Tracheomalazie mit dem Wachstum des Kindes. Bei ausgeprägten Formen der Tracheomalazie ist eine operative Stabilisierung der Luftröhre notwendig. Hier kommt die sogenannte posteriore Tracheopexie zum Einsatz – ein innovatives chirurgisches Verfahren, bei dem die hintere Wand der Luftröhre an der Vorderwand der Wirbelsäule fixiert wird, um das Kollabieren der Atemwege dauerhaft zu verhindern.
Das erfahrene kinderchirurgische Team des Marien Hospital Witten führt diesen Eingriff mit minimal-invasiven und roboter-assistierten Operationstechniken durch. Der Einsatz robotischer Systeme ermöglicht dabei eine besonders präzise, gewebeschonende und sichere Durchführung auch in anatomisch schwierigen Bereichen des Brustkorbs. Die feine Steuerung und exzellente Sicht des Operationsroboters tragen entscheidend dazu bei, das Risiko von Komplikationen zu verringern und die Erholungszeit zu verkürzen.
Die posteriore Tracheopexie ermöglicht vielen betroffenen Kindern erstmals ein freies, sicheres Atmen und damit eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität und somit die besten Voraussetzungen für ein gesundes Aufwachsen.
Tracheomalazie: Interdisziplinäre Versorgung und ganzheitliche Betreuung
Die erfolgreiche Behandlung einer Tracheomalazie erfordert ein enges Zusammenspiel verschiedener Fachdisziplinen. Im Kindermedizinischen Zentrum des Marien Hospital Witten arbeiten Kinderchirurgie, Kinderpneumologie, Neonatologie, Anästhesie und Intensivpflege Hand in Hand. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht es uns, die Therapie individuell an die Bedürfnisse jedes Kindes anzupassen – von der präoperativen Diagnostik über die Operation bis zur intensivmedizinischen Betreuung nach dem Eingriff.
Familienbezugspflege
Nach einer posterioren Tracheopexie ist eine engmaschige Nachsorge besonders wichtig, um die Atemwegsfunktion, Schluckkoordination und allgemeine Entwicklung kontinuierlich zu überwachen.
Das Konzept der Familienbezugspflege sorgt dafür, dass Familien während des gesamten Behandlungsprozesses eine feste Ansprechperson haben. Diese begleitet das Kind von der Aufnahme über den stationären Aufenthalt bis in die Nachsorgephase und koordiniert alle notwendigen Kontrolluntersuchungen. So wird eine Atmosphäre von Sicherheit, Vertrauen und Kontinuität geschaffen – für Eltern und Kind gleichermaßen.