Marien Hospital Witten - Scheidenkrebs
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Gynäkologisches Krebszentrum

Scheidenkrebs

Scheidenkrebs, medizinisch als Vaginalkarzinom bezeichnet, ist eine seltene Form von Krebs der weiblichen Geschlechtsorgane. Er entsteht in der Vaginalschleimhaut.

Obwohl diese Krebserkrankung nur etwa 1-2% der gynäkologischen Krebserkrankungen ausmacht, ist ihre Diagnose von großer Bedeutung, da sie meist in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt wird. Das Vaginalkarzinom tritt vor allem bei Frauen über 60 Jahren auf, kann aber auch jüngere Frauen betreffen. Die Erkrankung betrifft die Vagina, den muskulösen Kanal, der die äußeren Geschlechtsorgane mit der Gebärmutter verbindet.

Ursachen und Risikofaktoren von Scheidenkrebs

Die genaue Entstehung von Scheidenkrebs ist noch nicht vollständig erforscht, aber bestimmte Risikofaktoren können das Risiko einer Erkrankung erhöhen:

• Humanes Papillomavirus (HPV):
Eine Infektion mit HPV, insbesondere den Hochrisikotypen 16 und 18, ist der Hauptfaktor für die Entstehung von Scheidenkrebs. HPV ist der gleiche Virus, der mit der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht wird.

• Rauchen:
Rauchen erhöht das Risiko für viele Krebsarten, einschließlich Vaginalkarzinom. Es schädigt das Immunsystem und fördert das Wachstum von Krebszellen.

• Frühere Krebserkrankungen:
Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs, Gebärmutterkrebs oder anderen gynäkologischen Krebserkrankungen gelitten haben, haben ein höheres Risiko für Scheidenkrebs.

• Eingeschränkte Immunabwehr:
Ein geschwächtes Immunsystem, beispielsweise durch eine HIV-Infektion oder nach einer Organtransplantation, kann das Risiko für Scheidenkrebs erhöhen.

• Längerer Einsatz von Diethylstilbestrol (DES):
Frauen, deren Mütter während der Schwangerschaft mit DES behandelt wurden, haben ein höheres Risiko, an Scheidenkrebs zu erkranken.

Vorsorge und Früherkennung von Scheidenkrebs

Die Früherkennung ist ein wichtiger Bestandteil der Prävention. Für Frauen, die einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind (z. B. aufgrund von HPV-Infektionen oder früheren Krebserkrankungen), sind regelmäßige gynäkologische Untersuchungen von großer Bedeutung. Diese können dazu beitragen, Anzeichen von Scheidenkrebs frühzeitig zu erkennen, noch bevor sie Symptome verursachen. Ein weiterer präventiver Ansatz ist die HPV-Impfung, die das Risiko für Scheidenkrebs verringern kann, insbesondere bei jungen Frauen, die noch nicht mit dem Virus infiziert sind.

Symptome von Scheidenkrebs

Scheidenkrebs kann in den frühen Stadien oft ohne Symptome bleiben, was die große Bedeutung der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung erklärt. Die Untersuchungen sollten regelmäßig, mindestens aber einmal pro Jahr stattfinden.

Wenn Symptome auftreten, können diese sich äußern wie folgt:

• Ungewöhnliche Blutungen:
Insbesondere Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr oder nach den Wechseljahren können ein Warnsignal für Scheidenkrebs sein.

• Schmerzen oder Druckgefühl in der Vagina:
Ein wachsender Tumor kann Beschwerden wie Schmerzen oder ein Fremdkörpergefühl verursachen.

• Abnormale Ausflüsse:
Veränderungen in der Vaginalsekretion, wie unangenehm riechender oder blutiger Ausfluss, können ebenfalls ein Hinweis auf eine Erkrankung sein.

• Schmerzen beim Geschlechtsverkehr:
Schmerzen oder Unbehagen beim Geschlechtsverkehr, die zuvor nicht aufgetreten sind, können ebenfalls auf Scheidenkrebs hinweisen.

Diagnose von Scheidenkrebs

Die Diagnose von Scheidenkrebs erfolgt durch eine gründliche gynäkologische Untersuchung. Wenn der Verdacht auf ein Vaginalkarzinom besteht, werden zusätzliche Tests durchgeführt, um eine sichere Diagnose stellen zu können:

• Kolposkopie:
Eine spezielle Untersuchung, bei der der Arzt den Bereich der Vagina unter Vergrößerung betrachtet, um abnorme Zellen und bösartige Veränderungen zu identifizieren.

• Biopsie:
Eine Gewebeprobe wird entnommen, um festzustellen, ob Krebszellen vorhanden sind.

• Bildgebende Verfahren:
Ultraschall, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) können zur genaueren Bestimmung des Tumorstadiums und der Ausbreitung von Krebszellen genutzt werden

Stadien von Scheidenkrebs

Die Stadieneinteilung des Vaginalkarzinoms erfolgt nach dem sogenannten TNM-System:

• T (Tumor): Bestimmt die Größe des Tumors und ob er in benachbarte Gewebe eingedrungen ist.

• N (Nodus): Gibt an, ob Lymphknoten befallen sind.

• M (Metastasen): Weist darauf hin, ob der Krebs in andere Körperteile metastasiert ist. Die Stadien reichen von I (früh) bis IV (fortgeschritten), wobei im fortgeschrittenen Stadium der Tumor bereits in benachbarte Organe oder Lymphknoten gestreut haben kann.

Behandlungsmöglichkeiten für Scheidenkrebs

Die Behandlung von Scheidenkrebs hängt von mehreren Faktoren ab, insbesondere dem Stadium der Erkrankung, der Größe und Lage des Tumors sowie der allgemeinen Gesundheit der Patientin. Die Therapie wird in der Regel individuell angepasst und umfasst oft eine Kombination verschiedener Ansätze.

Im Marien Hospital Witten wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, bei dem Ärzte aus der Frauenheilkunde, Onkologie, Strahlentherapie und Chirurgie gemeinsam die bestmögliche Behandlung für jede Patientin festlegen.

1. Chirurgische Behandlung

Die chirurgische Entfernung des Tumors, also dessen operative Entfernung, ist häufig die erste Wahl der Behandlung bei Scheidenkrebs, insbesondere in den frühen Stadien der Erkrankung.

Es gibt verschiedene chirurgische Verfahren, die je nach Tumorgröße und -ausbreitung zum Einsatz kommen:
 • Lokale Tumorentfernung: Wenn der Tumor klein und auf einen bestimmten Bereich der Vagina beschränkt ist, kann eine lokale Entfernung des Tumors ausreichen. Dabei wird der Tumor zusammen mit einem kleinen Rand gesundem Gewebe entfernt, um sicherzustellen, dass keine Krebszellen zurückbleiben. 
• Vaginektomie: Bei größeren Tumoren oder wenn der Krebs in tiefere Schichten der Vaginalwand eingedrungen ist, kann es erforderlich sein, die gesamte Vagina zu entfernen. Dies wird als Vaginektomie bezeichnet. In einigen Fällen kann eine partielle Vaginektomie in Betracht gezogen werden, bei der nur der betroffene Bereich entfernt wird. In beiden Fällen ist die psychische Belastung für die Patientin nach der Operation sehr hoch, was eine spezielle Therapie, bzw. Nachsorge nötig machen kann. 
• Rekonstruktion der Vagina: Nach einer Vaginektomie kann eine Rekonstruktion der Vagina notwendig sein, um das Körpergefühl und die Lebensqualität der Patientin zu erhalten. Dies kann durch die Verwendung von körpereigenem Gewebe, wie z.B. von der Bauchwand oder dem Oberschenkel, erfolgen. In fortgeschrittenen Fällen, bei denen die Vagina vollständig entfernt wurde, kann auch eine rekonstruktive Chirurgie mit Hilfe von speziellen Techniken oder künstlichen Vaginas in Erwägung gezogen werden. 
• Lymphknotenentfernung: In fortgeschrittenen Stadien kann es erforderlich sein, Lymphknoten zu entfernen, um zu prüfen, ob der Krebs auf diese übergegriffen hat. Dies wird als Lymphadenektomie bezeichnet. Eine Entfernung der Lymphknoten erfolgt meist in der Nähe des Tumors, insbesondere in der Beckenregion.

2. Strahlentherapie (Radiotherapie)

Die Strahlentherapie ist eine sehr häufige Behandlungsoption für Scheidenkrebs und wird sowohl in frühen als auch fortgeschrittenen Stadien eingesetzt. Sie nutzt hochenergetische Strahlen, um Krebszellen zu zerstören oder deren Wachstum zu stoppen.

• Externe Strahlentherapie: Bei dieser Behandlung wird die Strahlung von außen auf den Tumor gerichtet. Die Patientin liegt dabei auf einem Behandlungstisch, während ein Gerät die Strahlen zielgerichtet auf den Tumorbereich anwendet. Diese Form der Strahlentherapie wird in der Regel über mehrere Sitzungen verteilt und ist besonders wirksam bei Tumoren, die sich nicht leicht operativ entfernen lassen.
 • Brachytherapie: Bei der Brachytherapie handelt es sich um eine spezielle Form der Strahlentherapie, bei der radioaktive Quellen direkt in den Tumor oder in den betroffenen Bereich der Vagina eingebracht werden. Dies ermöglicht eine präzise Bestrahlung des Tumors mit minimaler Belastung des umgebenden gesunden Gewebes. Diese Methode wird vor allem bei kleineren Tumoren oder als ergänzende Behandlung nach einer Operation eingesetzt. Die Strahlentherapie wird häufig in Kombination mit einer Operation verwendet, um das Rückfallrisiko zu minimieren. Sie kann auch als alleinige Behandlung in frühen Stadien des Scheidenkrebses in Erwägung gezogen werden.

Bei der intravenösen Chemotherapie werden die Medikamente direkt in die Blutbahn injiziert.

3. Chemotherapie

Chemotherapie kommt bei Scheidenkrebs vor allem in fortgeschrittenen Stadien zum Einsatz, wenn der Krebs bereits in benachbarte Organe oder Lymphknoten metastasiert ist. Dabei werden Medikamente verwendet, die Krebszellen im gesamten Körper angreifen und zerstören. Die Chemotherapie kann systemisch (über den Blutkreislauf) verabreicht werden und erreicht so auch entfernte Metastasen.

• Intravenöse Chemotherapie: Die Medikamente werden direkt in die Blutbahn injiziert und gelangen so schnell zu allen Körperbereichen, um auch Metastasen zu behandeln.
• Kombinationstherapie: Häufig wird Chemotherapie mit Strahlentherapie kombiniert, um die Wirkung beider Behandlungsmethoden zu verstärken. Dies wird als Radiochemotherapie bezeichnet. Hierbei wird die Chemotherapie eingesetzt, um Krebszellen empfindlicher auf die Strahlentherapie zu machen, während gleichzeitig die Strahlenbehandlung zur Zerstörung der Tumorzellen beiträgt. Die Chemotherapie kann Nebenwirkungen wie Übelkeit, Haarausfall und Müdigkeit verursachen, da sie auch gesunde Zellen angreift. Diese Nebenwirkungen können jedoch in der Regel durch unterstützende Behandlungen gemildert werden.

4. Immuntherapie

In den letzten Jahren hat sich die Immuntherapie als vielversprechende Option zur Behandlung von Krebs entwickelt, einschließlich bei Scheidenkrebs. Diese Behandlung zielt darauf ab, das körpereigene Immunsystem zu aktivieren, um Krebszellen gezielt zu bekämpfen.

Immuntherapeutische Ansätze umfassen: 
• Checkpoint-Inhibitoren: Diese Medikamente blockieren bestimmte Proteine auf Krebszellen, die verhindern, dass das Immunsystem sie angreift. Ein bekanntes Beispiel ist der Einsatz von Pembrolizumab, einem Wirkstoff, der den PD-1-Checkpoint hemmt. Er löst sozusagen die Bremse des Immunsystems und versetzt es in die Lage, den Tumor als gefährlich zu erkennen und zu bekämpfen.
 • Immunmodulierende Medikamente: Diese Medikamente unterstützen das Immunsystem und können die Wirksamkeit der traditionellen Krebstherapien erhöhen. Die Immuntherapie wird oft in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden eingesetzt, insbesondere wenn der Tumor nicht auf chemotherapeutische Behandlungen anspricht oder bereits gestreut hat.

Nachsorge und Prognose bei Scheidenkrebs

Die Nachsorge nach der Behandlung von Scheidenkrebs ist entscheidend, um Rückfälle frühzeitig zu erkennen. Dies umfasst regelmäßige gynäkologische Untersuchungen, Bildgebung und gegebenenfalls zusätzliche Tests.

Die Prognose hängt stark vom Stadium der Erkrankung ab:

• Frühe Stadien (Stadium I-III): 
In den frühen Stadien ist die Prognose in der Regel sehr gut, vor allem, wenn der Tumor vollständig entfernt werden kann.

• Spätstadien (Stadium IV): 
In fortgeschrittenen Stadien kann die Prognose schlechter sein, aber moderne Behandlungsmethoden wie Chemotherapie und Strahlentherapie haben die Überlebenschancen verbessert.

Im Marien Hospital Witten wird den Patientinnen eine ganzheitliche Behandlung geboten, die sowohl medizinische als auch emotionale Bedürfnisse berücksichtigt. Die erfahrenen Ärzte der Frauenklinik sowie des Onkologischen Zentrums arbeiten eng zusammen, um einen individuell zugeschnittenen Behandlungsplan zu entwickeln, der auf dem neuesten Stand der Wissenschaft basiert. Das Ziel ist es, nicht nur eine exzellente medizinische Versorgung sicherzustellen, sondern auch eine umfassende Betreuung in allen Phasen der Erkrankung zu bieten. Vom ersten Beratungsgespräch bis zur Nachsorge erfolgt die Begleitung mit Empathie und Fachkompetenz.

Das Wichtigste in Kürze

• Scheidenkrebs ist eine seltene, aber behandelbare Erkrankung, die vor allem Frauen über 60 betrifft.
• Risikofaktoren sind unter anderem HPV-Infektionen, Rauchen und frühere gynäkologische Krebserkrankungen. 
• Symptome können ungewöhnliche Blutungen, Schmerzen in der Vagina und Veränderungen im Ausfluss sein. 
• Diagnose erfolgt durch gynäkologische Untersuchungen, Biopsien und bildgebende Verfahren. 
• Behandlungsmöglichkeiten umfassen Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie, Immuntherapie und palliativmedizinische Betreuung.

FAQ – Häufige Fragen zu Scheidenkrebs

1. Wie erkenne ich, ob ich an Scheidenkrebs erkrankt bin?
Scheidenkrebs ist gerade in den frühen Stadien schwer festzustellen, da er häufig keine Symptome verursacht. Ein erhöhtes Risiko haben aber Frauen, die bereits eine gynäkologische Krebserkrankung hatten. Wenn Symptome wie ungewöhnliche Blutungen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

2. Wie hoch sind die Heilungschancen bei Scheidenkrebs?
Die Heilungschancen hängen vom Stadium des Krebses ab. In den frühen Stadien (Stadium I-III) sind die Heilungschancen in der Regel gut. Bei fortgeschrittenem Scheidenkrebs (Stadium IV) können die Chancen geringer sein, aber moderne Behandlungsmethoden haben die Überlebensraten verbessert.

3. Wie wird Scheidenkrebs behandelt?
Die Behandlung erfolgt je nach Stadium der Erkrankung mit einer Kombination aus Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie und möglicherweise Immuntherapie.

4. Kann man sich gegen Scheidenkrebs impfen?
Die HPV-Impfung schützt vor den humanen Papillom Viren - den Virustypen, die am häufigsten mit Scheidenkrebs in Verbindung stehen. Es wird empfohlen, sich frühzeitig impfen zu lassen, insbesondere vor der ersten sexuellen Aktivität.

 

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