Die Behandlung von Scheidenkrebs hängt von mehreren Faktoren ab, insbesondere dem Stadium der Erkrankung, der Größe und Lage des Tumors sowie der allgemeinen Gesundheit der Patientin. Die Therapie wird in der Regel individuell angepasst und umfasst oft eine Kombination verschiedener Ansätze.
Im Marien Hospital Witten wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, bei dem Ärzte aus der Frauenheilkunde, Onkologie, Strahlentherapie und Chirurgie gemeinsam die bestmögliche Behandlung für jede Patientin festlegen.
1. Chirurgische Behandlung
Die chirurgische Entfernung des Tumors, also dessen operative Entfernung, ist häufig die erste Wahl der Behandlung bei Scheidenkrebs, insbesondere in den frühen Stadien der Erkrankung.
Es gibt verschiedene chirurgische Verfahren, die je nach Tumorgröße und -ausbreitung zum Einsatz kommen:
• Lokale Tumorentfernung: Wenn der Tumor klein und auf einen bestimmten Bereich der Vagina beschränkt ist, kann eine lokale Entfernung des Tumors ausreichen. Dabei wird der Tumor zusammen mit einem kleinen Rand gesundem Gewebe entfernt, um sicherzustellen, dass keine Krebszellen zurückbleiben.
• Vaginektomie: Bei größeren Tumoren oder wenn der Krebs in tiefere Schichten der Vaginalwand eingedrungen ist, kann es erforderlich sein, die gesamte Vagina zu entfernen. Dies wird als Vaginektomie bezeichnet. In einigen Fällen kann eine partielle Vaginektomie in Betracht gezogen werden, bei der nur der betroffene Bereich entfernt wird. In beiden Fällen ist die psychische Belastung für die Patientin nach der Operation sehr hoch, was eine spezielle Therapie, bzw. Nachsorge nötig machen kann.
• Rekonstruktion der Vagina: Nach einer Vaginektomie kann eine Rekonstruktion der Vagina notwendig sein, um das Körpergefühl und die Lebensqualität der Patientin zu erhalten. Dies kann durch die Verwendung von körpereigenem Gewebe, wie z.B. von der Bauchwand oder dem Oberschenkel, erfolgen. In fortgeschrittenen Fällen, bei denen die Vagina vollständig entfernt wurde, kann auch eine rekonstruktive Chirurgie mit Hilfe von speziellen Techniken oder künstlichen Vaginas in Erwägung gezogen werden.
• Lymphknotenentfernung: In fortgeschrittenen Stadien kann es erforderlich sein, Lymphknoten zu entfernen, um zu prüfen, ob der Krebs auf diese übergegriffen hat. Dies wird als Lymphadenektomie bezeichnet. Eine Entfernung der Lymphknoten erfolgt meist in der Nähe des Tumors, insbesondere in der Beckenregion.
2. Strahlentherapie (Radiotherapie)
Die Strahlentherapie ist eine sehr häufige Behandlungsoption für Scheidenkrebs und wird sowohl in frühen als auch fortgeschrittenen Stadien eingesetzt. Sie nutzt hochenergetische Strahlen, um Krebszellen zu zerstören oder deren Wachstum zu stoppen.
• Externe Strahlentherapie: Bei dieser Behandlung wird die Strahlung von außen auf den Tumor gerichtet. Die Patientin liegt dabei auf einem Behandlungstisch, während ein Gerät die Strahlen zielgerichtet auf den Tumorbereich anwendet. Diese Form der Strahlentherapie wird in der Regel über mehrere Sitzungen verteilt und ist besonders wirksam bei Tumoren, die sich nicht leicht operativ entfernen lassen.
• Brachytherapie: Bei der Brachytherapie handelt es sich um eine spezielle Form der Strahlentherapie, bei der radioaktive Quellen direkt in den Tumor oder in den betroffenen Bereich der Vagina eingebracht werden. Dies ermöglicht eine präzise Bestrahlung des Tumors mit minimaler Belastung des umgebenden gesunden Gewebes. Diese Methode wird vor allem bei kleineren Tumoren oder als ergänzende Behandlung nach einer Operation eingesetzt. Die Strahlentherapie wird häufig in Kombination mit einer Operation verwendet, um das Rückfallrisiko zu minimieren. Sie kann auch als alleinige Behandlung in frühen Stadien des Scheidenkrebses in Erwägung gezogen werden.