In der Bundesrepublik Deutschland leiden mehr als 3 Millionen Menschen an chronischen Wunden, deren Behandlungskosten sich jährlich auf über 5 Milliarden Euro summieren. Trotz der enormen Kosten und therapeutischen Schwierigkeiten hat die standardisierte Wundbehandlung lange ein Schattendasein geführt, erst in den letzten Jahren ist das moderne Wundmanagement mehr in den Blickpunkt geraten, was z.B. auch in der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung oder zahlreicher Initiativen und Netzwerke seinen Ausdruck findet.
Hinter den chronischen Wunden verbergen sich in der Regel drei Wundarten
Die Klinik für Gefäßchirurgie unter der Leitung von Chefarzt Dr. med. J.R. Neitzel hat sich daher auch intensiv um ein strukturiertes und modernes Wundmanagement bemüht, denn die Patienten mit Ulcera cruris und diabetischem Fußsyndrom stellen einen großen Teil des behandelten Patientengutes dar.
Als ein weiterer Baustein im Therapiekonzept chronischer Wunden ist jetzt auch die Behandlung mit Fliegenmaden etabliert worden.
Erst im amerikanischen Bürgerkrieg wurden Fliegenmaden wieder gezielt zur Wundbehandlung eingesetzt, mit Entwicklung der antibiotischen Medikamente kam aber dann das vorrübergehende Ende der Fliegenmadentherapie. In den neunziger Jahren erlebte der Einsatz von Fliegenmaden aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und steriler Produktionsmethoden aber eine Renaissance.
Wie wirkt die Madentherapie?
Die Made ist ein reiner Nekrophage, d.h. nur abgestorbenes Gewebe wird über das Speichelsekret aufgelöst (Proteolyse), verflüssigt und gleichzeitig als Nahrung wieder aufgenommen. Dabei wird die Grenze zum gesunden Gewebe nicht überschritten.
Mit dieser Wundreinigung (Debridement) wird eine wichtige Grundlage der Wundheilung geschaffen, zudem werden dem Speichel- und Darmsekret antimikrobielle und zellfördernde Eigenschaften zugeschrieben.
Besonders Problemkeime können vom Madensekret eliminiert werden, alkalisierende Substanzen wie Ammoniak und Calciumcarbonat werden für diesen Effekt verantwortlich gemacht. Gleichzeitig führt das Madensekret zu einer Stimulation menschlicher Fibroblasten, die zur Wundheilung unbedingt erforderlich sind.
In einem Aufklärungsgespräch wird der Patient zudem eingehend beraten und mit Informationsmaterial versorgt, was zu einer guten Akzeptanz dieser Wundtherapie führt.
Sicherlich kann die Madentherapie eine gezielte chirurgische Wundbehandlung nicht ersetzten, ist aber bei richtiger Indikation im Zusammenhang mit den übrigen Wundtherapeutika ein Baustein im modernen Wundmanagement und soll einen festen Platz im Behandlungsablauf chronischer Wunden in der Klinik für Gefäßchirurgie einnehmen.
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