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Bauchaortenaneurysma

Bauchaortenaneurysma

Unter einem Bauchaortenaneurysma (BAA) verstehen wir eine Aufweitung der Bauchschlagader. Die häufigste Lokalisation ist der Abschnitt unterhalb der Nierenarterienabgänge (Abb.1). Ca. 95% aller Aneurysmata liegen in diesem Gefäßbereich. Das BAA ist eine Erkrankung des älteren Menschen. Selten finden wir eine Aufweitung vor dem 50. Lebensjahr. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 6. und 8. Lebensjahrzehnt. Die Verteilung männlich zu weiblich beträgt ca. 9:1.

Während die Ursachen für die Aufweitung früher vor allem entzündliche Erkrankungen waren, ist die Hauptursache in der heutigen Zeit die arteriosklerotische, degenerative Wandveränderung. Die Hauptgefahr, die vom Aneurysma ausgeht, liegt in dem Zerreißen der Arterienwand (Ruptur) und der damit verbundenen massiven Blutung. Fast 80% der Patienten, die an einem BAA erkrankt sind, zeigen keine wesentlichen Beschwerden oder sind, wie wir sagen, asymptomatisch. Rücken- und/ oder Bauchschmerzen können Zeichen für ein zunehmendes Wachstum des BAAs sein. Dabei kann auch ein größerer Druck auf Nachbarorgane entstehen. Beim rupturierten BAA treten deswegen massive Schmerzen in Bauch, Flanke und Rücken auf, und infolge des massiven Blutverlustes kommt es zu einer zunehmenden Schocksymptomatik.

Bei Rupturen in angrenzende Organe können Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt sowie akute Entgleisungen des Herzens Leitsymptome sein.

Diagnose und Behandlung des Aneurysmas

Die Diagnose wird vor allem bei asymptomatischen Patienten sehr häufig durch den Ultraschall (Abdomensonographie z. B. durch Duplex) gesichert. In manchen Fällen kann man über der Bauchschlagader einen verbreiterten Puls tasten.

Zusätzlich können die Computertomographie und auch die Kernspintomographie präzise Aussagen über die Ausdehnung, Form des BAAs sowie die Beziehung zu Nachbarorganen geben.

Liegen gleichzeitig arterielle Durchblutungsstörungen vor, ist die Gefäßdarstellung (Angiographie) zur operativen Planung wichtig.

Menschen jenseits des 55. Lebensjahres, die an einem arteriellen Hochdruck, an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, an einer generalisierten Arteriosklerose leiden und bereits Aneurysmata in anderen Körperregionen haben, sollten bezüglich eines BAAs untersucht werden.

Die Behandlung des Aneurysmas besteht nur in der Operation.

Beim asymptomatischen Patienten sollte das BAA ab einer Größe von 5 cm im queren Durchmesser operiert werden. Bei kleineren BAAs kann ebenfalls schon ein Grund für eine operative Behandlung vorliegen: Größenzunahme in kurzer Zeit, exzentrische Form des Bauchaortenaneurysmas.

Weiterhin werden Risikofaktoren in die Operationsplanung mit einbezogen. Dies sind vor allem die arterielle Hypertonie, chronisch obstruktive Ventilationsstörungen der Lunge, Herz- und Nierenerkrankungen. Nach entsprechender Vorbereitung von Lunge, Herz, Niere und Darm sowie eventueller Bereitstellung von Eigenblutkonserven wird dann der Patient der Operation zugeführt.

Die normale Größe der Bauchschlagader liegt altersabhängig bei unter 2 cm.

Ganz anders stellt sich die Situation bei einer Ruptur dar. Hier kann nur die sofortige Notfalloperation helfen.

Während bei der geplanten Operation die Komplikationsrate um 5% liegt, sind Komplikationen bei der Notfalloperation wesentlich häufiger. Nach der Literatur überleben 40-70% der Patienten mit einer Aortenruptur diesen Eingriff nicht. Sie versterben an den Folgen der inneren Blutung.

Wie sieht nun die Operation aus?

Über einen Bauchschnitt wird der aufgeweitete Anteil der Bauchschlagader durch ein Kunststoffgefäß ersetzt. Beschränkt sich die Aufweitung nur auf die Bauchschlagader erfolgt dies mit einer rohrförmigen Prothese (Abb.2). Dabei wird die Prothese in einer Rohr-in-Rohr-Technik in die ausgeklemmte und aufgeschnittene Aorta eingenäht. Ist die angrenzende Beckenstrombahn ebenfalls aufgeweitet, erfolgt der Ersatz mit einer Y-förmigen Prothese (Abb.3) entweder mit Anschluss an beide Becken- oder Leistenarterien. Eventuell muss am Ende der Operation eine, die unteren Abschnitte des Dickdarms versorgende Arterie wieder eingenäht werden. Neuerdings besteht eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit in dem Einbringen der Aortenprothese über einen Leistenschnitt mit Hilfe von Kathetersystemen. Der sonst obligatorische Bauchschnitt entfällt. Gestützt werden diese Prothesen von Drahtgittergeflechten, sogenannten Stents. Diese Methode wurde zunächst bei Patienten, bei denen eine konventionelle Operation aufgrund eines sehr hohen Risikos für eine Vollnarkose kaum durchführbar erschien, eingeführt.

Dabei werden die Leistengefäße über einen kleinen Schnitt freigelegt und die Systeme dann darüber eingeführt. In dem Aneurysma werden die Prothesen anschließend unter Röntgenkontrolle entfaltet und mit Kathetern anmodelliert (Abb. 4). Dieser Eingriff kann in Regionalanästhesie erfolgen. Wenn Sie mehr Informationen zum Thema Aortenstent wünschen, finden Sie diese unter dem Link Interventionelle Gefäßtherapie. Die konventionelle Operation mit Bauchschnitt muss stets in Vollnarkose durchgeführt werden. Diese Methode blickt auf eine jahrzehntelange, erfolgreiche Geschichte zurück.

Für die sogenannten endovaskulären Verfahren (Aortenstents) gibt es noch keine wesentlichen Langzeitresultate. Die anfangs bestehende Euphorie hat sich gelegt, es treten Komplikationen auf, die wir bei der konventionellen Methode durch Bauchschnitt nicht kennen. Die zunehmende Erfahrung und kontinuierliche Verbesserung der Stentprothesen lässt aber auch hier eine schnelle Weiterentwicklung erwarten, unsere eigenen Erfahrungen zeigen sehr ermutigende Ergebnisse.

Im Einzelfall muss also sehr genau überlegt werden, welcher Patient für die eine oder andere Methode geeignet ist.

Wie geht es nach der OP weiter?

Nach der Operation wird der Patient intensivmedizinisch betreut und dann in der Regel nach 1-3 Tagen auf die Normalstation zurückverlegt. Der weitere Aufenthalt beträgt ca. 10-14 Tage.

Eine Anschlussheilbehandlung in einer Rehabilitationsklinik erfolgt häufig anschließend.

Nach Entlassung werden die Patienten in ein Nachsorgeprogramm aufgenommen. Hierbei werden im Wesentlichen Ultraschalluntersuchungen nach festgelegten Terminen durchgeführt.

Ca. 2% der Menschen über 60 Jahre sind von dieser Erkrankung betroffen. Zurzeit operieren wir ca. 30-40% der Patienten. Es bleibt zu hoffen, dass durch die moderne Diagnostik - insbesondere Ultraschall - viele Aneurysmaträger früh entdeckt werden, um das sonst tödliche Zerreißen der Aortenwand zu vermeiden.

Bescheinigung der Teilnahme an der externen Qualitätssicherung der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie.

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